+ Antworten
Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Ist hier die weibliche Form von Treiber grammatisch richtig oder falsch: Die Fachhochschule als Treiberin für eine innovative Entwicklung.

  1. #1
    Unregistriert Gast

    Standard Ist hier die weibliche Form von Treiber grammatisch richtig oder falsch: Die Fachhochschule als Treiberin für eine innovative Entwicklung.

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    In einer schriftlichen Diskussion.

    Ich hätte gerne die grammatische Klärung. Dies ist für mich keine Frage der geschlechtergerechten Schreibweise,
    da es nicht um Personen- bzw. Berufsgruppen geht!

    In dem Satz "Als einzige Hochschule des Landes könnte die FH Vorarlberg ein Treiber für innovative Entwicklung auf den verschiedensten Ebenen darstellen." Hieße es nicht richtig eine Treiberin?

    "Ein Treiber für innovative Entwicklung könnte die Fachhochschule Vorarlberg sein." Heißt es hier nicht Treiberin?

    Erhalter bzw. Studienträger: Fachhochschule Vorarlberg GmbH
    Müsste es da nicht auch Erhalterin bzw. Studienträgerin heißen?

    Die FH als Arbeitgeberin?

  2. #2

    Standard

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    Sprachsystem


    In allen von Ihnen genannten Fällen ist die weibliche Form genauso möglich wie die männliche, z. B. die Fachhochschule als Treiber/Treiberin, die Fachhochschule als Arbeitgeber/Arbeitgeberin. Das hängt einerseits damit zusammen, dass die (Fach-)Hochschule, die in allen Ihren Beispielen das Bezugswort des Prädikatsnomens bzw. der Konjunktionalphrase darstellt, vom grammatischen Geschlecht (Genus) her ein Femininum ist.

    Beispiel

    (1) Die Fachhochschule Vorarlberg ist eine Treiberin für innovative Entwicklung.

    (2) Die FH als Arbeitgeberin muss ihn von Schadensersatzansprüchen Dritter, die mit der Unterrichtstätigkeit zusammenhängen, nach zwingenden arbeitsrechtlichen Grundsätzen freistellen. (Internetbeleg)


    In Beispiel (1) ist Treiberin als Prädikatsnomen auf die Fachhochschule bezogen und hinsichtlich des Genus auf sie abgestimmt. Das gleiche gilt für Arbeitgeberin in Beispiel (2), nur dass Arbeitgeberin hier nicht Prädikatsnomen, sondern Teil der durch die Konjunktion als eingeleiteten Konjunktionalphrase als Arbeitgeberin ist, die sich wiederum auf die FH bezieht.

    Andererseits bezeichnet Fachhochschule jedoch keine weibliche Person, sondern eine Sache i.w.S., sodass hier auch das so genannte generische (geschlechtsunspezifische) Maskulinum in Frage kommt: die FH als Treiber/Arbeitgeber.
     


    Sprachgeschichte


    In Ihrer Frage haben Sie zwar angemerkt, dass es Ihnen nicht um „geschlechtergerechte Schreibweise“ geht, doch meinen wir, dass Ihr Zweifel quasi Ergebnis eines aktuellen Sprachwandelprozesses ist, der durch das Bemühen um eine geschlechtergerechte Ausdrucksweise in Gang gesetzt wurde. Dabei dürfte das hier – wie Sie richtig bemerken – eigentlich gar keine Rolle spielen, weil es in Ihren Beispielen ja nicht um Personenbezeichnungen geht.
    Dennoch meinen wir, dass es sinnvoll ist, kurz zu rekapitulieren, worum es eigentlich bei dem Bedürfnis nach geschlechtergerechter Ausdrucksweise geht, um den aktuellen Zweifelsfall einordnen zu können.

    Zu den Kategorien des Substantivs im Deutschen gehört neben den Kategorien Kasus und Numerus auch die Kategorie Genus. Das grammatische Geschlecht bildet aber nicht notwendigerweise das natürliche Geschlecht ab (vgl. das Pferd, die Kuh, der Hund). Dass Pferd neutrum ist, Kuh feminin und Hund maskulin, ist also nicht mehr und nicht weniger als eine grammatische Eigenschaft des jeweiligen Substantivs. Aus grammatischer Perspektive gibt es also eine klare Unterscheidung zwischen grammatischem und natürlichem Geschlecht, beide haben eigentlich nichts miteinander zu tun. In der Grammatik bezeichnet man die neutrale Verwendung eines grammatischen Geschlechts für mehrere natürliche Geschlechter als generisch: der Mörder, der Nichtsnutz, der Scharlatan (= generisches Maskulinum), die Geisel, die Person, die Waise (= generisches Femininum).

    Im Zeitalter von political correctness werden wir aber wiederum Zeugen einer Sprachwandeltendenz, bei der es darum geht, die ursprüngliche Differenzierung zwischen grammatischem und natürlichem Geschlecht aufzugeben. Derzeit wirkt sich das vor allem auf solche Personenbezeichnungen aus, die ein so genanntes generisches Maskulinum (= eine verallgemeinernde maskuline Form eines Wortes) aufweisen: Man empfindet es als politisch nicht korrekt, nur die maskuline Form anzugeben, und möchte deshalb beide natürlichen Geschlechter auch grammatisch abbilden.

    Was hat das nun mit Ihrem Zweifelsfall zu tun? Betroffen von dem eben geschilderten Vorgang sind natürlich zunächst Personenbezeichnungen, also solche Substantive, bei denen die Abstimmung von grammatischem und natürlichem Geschlecht aufeinander überhaupt Sinn macht, weil das bezeichnete Substantiv überhaupt ein natürliches Geschlecht hat. Das ist bei Fachhochschule nicht der Fall: Es gibt keinen biologischen Grund dafür, dass dieses Substantiv feminin ist. Es handelt sich also ganz eindeutig um eine rein grammatische Festlegung. Das Wort Treiber dagegen kann sich durchaus auf Personen beziehen, sodass wir hier die Möglichkeiten haben, eine treibende Frau durch die Bezeichnung Treiberin zu kennzeichnen. Da sich Treiber in Ihrem Beispiel ja auf die Fachhochschule und nicht auf eine Person bezieht, besteht weder in Bezug auf das Wort Treiber selbst noch in Bezug auf das Bezugswort Fachhochschule die Notwendigkeit, von Treiberin zu sprechen. Wenn man hier von Treiberin spricht, wendet man im Grunde genommen das ursprünglich auf Personenbezeichnungen beschränkte Bedürfnis nach einer Aufhebung der Trennung von grammatischem und natürlichem Geschlecht auf einen Fall an, in dem es eigentlich gar kein natürliches Geschlecht gibt.
     


    Sprachgebrauch


    Bei einer solchen komplexen Thematik ist es schwierig, den Sprachgebrauch zu erheben. Wir verweisen deshalb nur exemplarisch auf die Kirche als Träger/Trägerin:

    Beispiel

    (3) Für eine Beerdigung auf dem Friedhof und das Verleihen der Grabrechte sind Kosten entsprechend der Friedhofsgebührensatzung an die Kirche als Träger des Friedhofs zu bezahlen.

    (4) Dies sei Beweis dafür, dass die Kirche als Trägerin am Erhalt der Schule festhalte, so Oberkirchenrat Schäfer.


    Die maskuline Form findet sich im Internet viermal so häufig wie die feminine Form.
     


    Umfrage zum Umgang mit dieser Antwort

    War diese Antwort hilfreich für Sie? Wie gehen Sie damit um?
    Helfen Sie unserem Forschungsteam von der Universität Gießen dabei herauszufinden, wie eine solche Grammatik benutzt wird, welche Erläuterungen interessant sind und wie Sie damit umgehen. Durch die Beantwortung unseres Fragebogens tragen Sie dazu bei, die Qualität unserer Antworten und die Qualität von Grammatiken zu verbessern!

    Umfrage öffnen

    Geändert von Melanie Löber (18.07.2011 um 18:13 Uhr)

  3. #3
    Unregistriert Gast

    Standard Die Fachhochschule als Treiber für eine innovative Entwicklung.

    Die Fachhochschule als Treiberin für eine innovative Entwicklung. (falsch)

    Das 'die' bezeichnet hier den Genus, nicht den Sexus.
    Das '-in' bezeichnet jedoch einen hier nicht vorhandenen Sexus.

    Also:
    Die Fachhochschule als Treiber für eine innovative Entwicklung.
    Die Direktorin der Fachhochschule als Treiberin für eine innovative Entwicklung.

  4. #4

    Standard

    Bitte beachten Sie die oben stehenden Erklärungen.

+ Antworten

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein