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Thema: gibt es einen Namen für die Steigerung nicht steigerbarer Worte?

  1. #1
    Unregistriert Gast

    Standard gibt es einen Namen für die Steigerung nicht steigerbarer Worte?

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    Eine Arbeitskollegin hat diese schreckliche Angewohnheit

    permanent werden meiner Meinung nach nicht steigerbare Worte wie rechts tiefer
    von einer Mitarbeiterin zu rechtser oder tieferer gesteigert, was ich kaum ertragen kann.
    Dies sind nur zwei von unendlich vielen Beispielen.
    Gibt es hierfür einen Namen, so wie etwa die "gerade Kurve" oder der "weisse Schimmel" ja auch eigene
    Bezeichnungen haben (Tautologie/grammatikalische Redundanz)

    mit freundlichen Grüßen

    Gast
    Geändert von Mathilde Hennig (11.03.2018 um 07:45 Uhr)

  2. #2

    Standard Komparation

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    Sprachsystem


    Mit Ihrer Frage beziehen Sie sich auf die Komparation von Adjektiven, wobei in der Regel folgende Komparationsformen gebildet werden:
    Positiv: alt, schön, tief
    Komparativ: älter, schöner, tiefer
    Superlativ: am ältesten, am schönsten, am tiefsten;
    [zum Teil absolut gebraucht (Elativ): bei schönstem Wetter]
    Mit einigen Ausnahmen wird der Komparativ mit der Endung –er, der Superlativ mit der Endung –st/-est gebildet. Wie Sie richtig erkannt haben, gibt es Adjektive, die keine Komparationsformen bilden. Dies hängt mit der Semantik (1-4) und/ oder mit den morphologischen Eigenschaften (5-8) der Adjektive zusammen. Laut der Dudengrammatik bilden folgende Adjektive in der Regel keine Komparationsformen:
    1. Qualifizierende Adjektive, die einer Person der einer Sache eine Eigenschaft zuordnen, die nicht in unterschiedlichem Maß vorliegen kann:

      Beispiel

      schriftlich, leer, tot
    2. Adjektive, die etwas Einzigartiges oder ein Höchstmaß ausdrücken:

      Beispiel

      einzig, maximal
    3. Adjektive mit relationaler Bedeutung, die eine Beziehung oder Zugehörigkeit ausdrücken:

      Beispiel

      westfälisch, ärztlich
    4. Quantifizierende Adjektive, die eine Menge oder Position in einer Ordnung angeben:

      Beispiel

      drei, dritte

    5. Zusammengesetzte Adjektive:

      Beispiel

      tagelang, blickdicht
    6. Adjektive, die mit Wortbildungselementen verneint sind:

      Beispiel

      kinderlos, unüberhörbar
    7. Adjektive, die nicht nach Kasus, Numerus und Genus flektiert werden:

      Beispiel

      rosa
    8. Partizipien, die noch einen engen Bezug zum zugrunde liegenden Verb haben:

      Beispiel

      gelesen

    Nach dem Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle werden im Sprachgebrauch einige solcher Adjektive trotzdem gesteigert, um den höchsten oder geringsten Grad noch zu verstärken. Entgegen der Regeln gesteigerte Adjektive sollten jedoch generell nicht unflektiert verwendet werden. Es gibt allerdings Bedingungen, unter denen Komparationsformen dieser Adjektive auch standardsprachlich verwendet werden können, beispielsweise wenn…
    • unter 1) fallende Adjektive in relativer Bedeutung verwendet werden:

      Beispiel

      Heute ist es leerer als gestern.
    • unter 3) fallende Adjektive mit qualifizierender Lesart verwendet werden:

      Beispiel

      Er ist der westfälischste unter den Männern.
    • unter 6) fallende Adjektive, die sich verselbstständigt haben:

      Beispiel

      Es ist unordentlicher als sonst.
    • Adjektive in übertragender Bedeutung verwendet werden:

      Beispiel

      Sie strebt eine lebendigere Darstellung an.

    So kann beispielsweise auch das Adjektiv rechts, das Sie in Ihrer Frage erwähnen, in bestimmten Kontexten auch in komparierter Form (absoluter Superlativ) verwendet werden. Dazu ein Beleg aus einer Zeitung:
    „Der neue Führer der republikanischen Mehrheit im Abgeordnetenhaus ist der rechteste Populist, der westlich des Bärentals sein Wesen treibt und ein Mann unkonventioneller Ideen dazu.“ (Salzburger Nachrichten 18.04.1995)
    Ob ein Adjektiv komparierbar ist oder nicht, hängt also von den semantischen und formalen Eigenschaften des Adjektivs, aber auch von der Gebrauchsweise ab. Im Sprachgebrauch treten jedoch auch Formen auf, die standardsprachlich nicht angemessen sind. Gelegentlich wird für diese Komparationsformen die Bezeichnung Hyperlativ verwendet (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Komparation), dies ist jedoch kein sprachwissenschaftlich etablierter Begriff. Auch in der Dudengrammatik wird diese Bezeichnung nicht verwendet, es wird stattdessen von Adjektiven ohne Komparationsformen gesprochen.
     


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