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Thema: "die vergangenen sechs Monate habe ich genutzt, um meinem Arbeitgeber auch einige anerkannte Diplome vorweisen zu können."

  1. #1
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    Standard "Die vergangenen sechs Monate habe ich genutzt, um meinem Arbeitgeber auch einige anerkannte Diplome vorweisen zu können."

     

    Dieser Satz gefällt mir nicht – geht es anderen auch so? Könnte es dafür grammatische oder semantische Gründe geben?
    "Ich habe die Zeit genutzt, Diplome zu erwerben" empfinde ich als gutes Deutsch. Man nutzt die Zeit für eine Handlung, um zu handeln, das gewünschte Ergebnis anzustreben. Denn "vorweisen können" gibt ja das Ergebnis an, eine Fähigkeit, einen Zustand, aber nicht, wie man die Zeit nutzt, was man während der Zeit tut. Vielleicht stört mich deshalb dieser Satz. Oder sehe ich das zu eng?
    Andererseits fände ich stimmig zu sagen: "Ich habe in der Zeit Diplome erworben, um sie dann meinem Arbeitgeber vorweisen zu können." Vielleicht liegt es an der Aktionsart des Verbs "nutzen"? Dass sich dieses atelische Verb nicht so recht mit dem Ziel "vorweisen können" verträgt, während das telische Verb "erwerben" besser dazu passt?
    Ich habe im Grammatikduden (2016) nach Antworten gesucht: Im Kapitel "der Text" 2.3.4.4. Seite 1109 über finale Konnektoren, im Kapitel 4.2.1.2 auf Seite 416ff über Aktionsarten.
    Geändert von Müwi (14.09.2018 um 13:38 Uhr)

  2. #2

    Standard Aktionsart der Verben vs. Zeitangaben im Satz

    Da es sich bei Ihrer Frage um keinen den Sprachgebrauch betreffenden grammatischen Zweifelsfall handelt, wird hier auf unser auf Zweifelsfälle ausgerichtetes Antwortschema mit den Icons verzichtet. Wir möchten Sie dennoch bitten, unseren kurzen Fragebogen zur Bewertung unserer Antwort auszufüllen.

    In dem vorliegenden Beispielsatz "Die vergangenen sechs Monate habe ich genutzt, um meinem Arbeitgeber auch einige anerkannte Diplome vorweisen zu können." liegt ein Finalsatz vor, welcher mit um zu eingeleitet wird. Finalsätze besitzen laut Grammatikduden (Duden Band 4) die Eigenschaft, ein Ziel oder einen Zweck auszudrücken. In Ihrem Ausgangssatz besteht das Ziel darin, dem Arbeitgeber kürzlich erworbene Diplome vorzulegen. Wie Sie bereits vermutet haben, ist der Satz grammatisch korrekt. Semantisch hingegen kann es möglicherweise bei dem Leser aufgrund der verschiedenen Zeitangaben zu Unsicherheiten kommen. In Ihrem Beispielsatz werden die Zeitangabe die vergangenen sechs Monate und das punktuelle Ereignis, nämlich dem Arbeitgeber etwas vorlegen, gegenübergestellt. Somit wird einerseits der Prozesscharakter durch die Spanne die vergangenen sechs Monate ausgedruckt, andererseits jedoch auf einen konkreten Zeitpunkt verwiesen:
    Die vergangenen sechs Monate habe ich genutzt, um einige anerkannte Diplome zu erwerben, welche ich meinem Arbeitgeber nun vorweisen kann.


    Der erste Schritt besteht nämlich im Erwerb der Diplome, was zunächst eine längere Phase des Lernens voraussetzt. In einem zweiten Schritt können diese Diplome dem Arbeitgeber vorgelegt werden. Der Erwerb der Diplome ist in sich ebenfalls ein punktuelles Ereignis, welches aber einen langen vorangehenden Prozess voraussetzt. Das Vorlegen der Diplome stellt hingegen ein eindeutig punktuelles Ereignis dar. In Ihrem Finalsatz haben Sie beide Ereignisse zusammengefasst, weshalb Ihnen der Satz möglicherweise nicht gefällt.
    Sie haben bereits das Verb erwerben vorgeschlagen, um das Anliegen des Satzes deutlicher zu machen. In der Variante „Ich habe in der Zeit Diplome erworben, um sie dann meinem Arbeitgeber vorweisen zu können.“ wird der zeitliche Ablauf sowie das Ziel für den Leser explizit deutlich.
    In Bezug auf die Aktionsart der Verben ist festzuhalten, dass telische Verben ein punktuelles Ereignis markieren. In §567 des Grammatikduden wird jedoch darauf verwiesen, dass ein Verb je nach Kontext telisch oder atelisch sein kann:
    1. Peter isst Kirschen.
    2. Peter isst ein Kilo Kirschen.

    Die obige Beispielgruppe zeigt die Abhängigkeit der Aktionsart des Verbs vom Kontext auf. Im ersten Beispiel ist „essen“ atelisch, da es sich hier um eine ungenaue Zeitspanne handelt. Im zweiten Satz ist das Verb „essen“ telisch verwendet worden, da der Endpunkt mit Verzehr des Kilos Kirschen erreicht ist.
    Daher ist fraglich, ob das Verb nutzen in Ihrem Ausgangsbeispiel ausschließlich atelisch gebraucht wird, oder ob nicht durch die zeitliche Angabe eine telische Bedeutungsdimension hinzukommt. Folglich ist die strikte Trennung von telisch und atelisch sowie daraus folgende Rückschlüsse auf die Richtigkeit des Satzes problematisch. Es liegt näher, Ihr Unbehagen mit der Diskrepanz zwischen dem punktuellen Ereignis des Vorreichens der Diplome und der Zeitspanne von sechs Monaten zu erklären. Den Satz entsprechend umzuformulieren, um die zeitliche Abfolge kenntlich zu machen, ist natürlich möglich. Durch eine Umformulierung können Sie expliziter die Telizität ausdrücken, dass nach Ablauf der sechs Monate ein Ziel erreicht wurde, nämlich dass nun Diplome vorgelegt werden können. Der Satz ist aber auch in seiner Ausgangsvariante sehr gut verständlich, sodass die Einschränkungen in der semantischen Genauigkeit u.E. in Kauf genommen werden können.

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  3. #3

    Standard Diplome in sechs Monaten

    "Die vergangenen sechs Monate habe ich genutzt, um meinem Arbeitgeber auch einige anerkannte Diplome vorweisen zu können."

    Die vergangenen sechs Monate habe ich benutzt, um für gutes Geld Diplome zu erwerben, die ich dem Arbeitgeber vorweisen kann.

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