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Thema: bei irgendeinem, meinem...

  1. #1
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    Standard bei irgendeinem, meinem...

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin: Beim Lesen eines Romanes Mit folgendem Nachschlagewerk versuchte ich dieser Frage auf den Grund zu gehen: mit dem Internet, Duden Grammatik 4, und andrere Grammatik Guten Tag, Ein Satz lässt mir immer ein bisschen sprachlos, wenn ich ihn lese. Er stammt aus dem Buch "Nach den Kriegen" von Dagmar Leupold. /// Vor gut drei Wochen war ich zum ersten Mal nach Deutschland geflogen, ihn [ihren Vater, der fast tot war] zu verabschieden, auch da mit der PIA ( Pakistan International Airlines), die in dem Fall ohne Zwischenlandung in Paris nach Frankfurt flog. Ich legte mich auf einen Rückflug fest, andernfalls wäre das Ticket nicht bezahlbar gewesen. --> Dabei dachte ich an das zweite abstrakte Datum, wie bei irgendeinem, meinem Gedächtnis verlorengegangenen Dichter der eigene Todestag genannt wird, ein Datum, das man nie selbst in die eigene Lebensgeschichte einbeziehen kann und das doch, einmal auf einen Stein geschrieben, in ein Kreuzt geritzt, von einleuchtender Zwangsläufigkeit ist – wie die Kadenz einer Melodie. /// Weil ich mich mit diesem Satz sprachlos, konfus oder noch perplex fühle, ist mir schwer eine kurze deutliche Frage zu stellen. Ich kenne alle in dem Satz geschriebenen Wörter. Das Wort "irgendein" habe ich natürlich schon in irgendeinem Buch oder in irgendeinem anderen gelesen... Hier kommt tatsächlich der Dativ zwei mal vor mit 'irgendeinem' und 'meinem', beide von einem Komma getrennt. Diese kleine Reihenfolge "irgendeinem, meinem" macht mir verwirrt !!! Dazu besonders das Komma zwischen irgendeinem und meinem, warum steht hier ein Komma ? Können Sie mir bitte den Satz grammatisch und semantisch betrachtet erklären ? Danke, LG, Denebe. PS: Seite 9 von diesem pdf https://www.dtv.de/_files_media/titl...robe-13501.pdf
    Geändert von denebe (11.02.2019 um 14:14 Uhr)

  2. #2

    Standard Aufeinanderfolge von Dativen

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    Sprachsystem


    Sie haben folgenden Beispielsatz problematisiert:

    „Dabei dachte ich an das zweite abstrakte Datum, wie bei irgendeinem, meinem Gedächtnis verlorengegangenen Dichter der eigene Todestag genannt wird, ein Datum, das man nie selbst in die eigene Lebensgeschichte einbeziehen kann und das doch, einmal auf einen Stein geschrieben, in ein Kreuzt geritzt, von einleuchtender Zwangsläufigkeit ist – wie die Kadenz einer Melodie.“
    Zunächst soll der Satz hinsichtlich der grammatischen Struktur näher erläutert werden. Ihr Beispielsatz lässt sich in einen Hauptsatz und verschiedene Nebensätze unterteilen. Ein Nebensatz kann oft daran erkannt werden, dass das finite (gebeugte) Verb am Ende des Satzes steht. In einem Hauptsatz steht das finite Verb in der Regel an zweiter Stelle. Daraus resultiert folgendes Schema für Ihren Beispielsatz:
    Dabei dachte ich an das zweite abstrakte Datum (Hauptsatz)
    wie bei irgendeinem, meinem Gedächtnis verlorengegangenen Dichter der eigene Todestag genannt wird, (Nebensatz 1)
    ein Datum (Einschub; Wiederaufnahme des Hauptsatzes)
    das man nie selbst in die eigene Lebensgeschichte einbeziehen kann (Nebensatz 2)
    und das doch, (Nebensatz 3)
    einmal auf Stein geschrieben, in ein Kreuz geritzt (Einschub; Aufzählung)
    von einleuchtender Zwangsläufigkeit ist (Fortsetzung Nebensatz 3)
    wie die Kadenz einer Melodie (Fortsetzung Nebensatz 3 – Vergleich)
    Um nun Ihr Beispiel näher zu erläutern, wird der erste Nebensatz Ihres Beispiels untersucht, da Sie hier explizit auf die Problematik der Reihung irgendeinem, meinem Gedächtnis hingewiesen haben. Dieser Nebensatz wird durch den Junktor wie eingeleitet. Semantisch bezieht sich der Nebensatz auf den Hauptsatz und erläutert, was unter einem zweiten abstrakten Datum zu verstehen ist. Im Folgenden wird erklärt, wie die beiden Dative zustande kommen. Zur Vereinfachung wird die komplexe Wortgruppe bei irgendeinem, meinem Gedächtnis verlorengegangenen Dichter durch ein Pronomen ersetzt, um die Satzstruktur deutlich zu machen:
    wie bei ihm der eigene Todestag genannt wird
    Der Dativ irgendeinem Dichter ist bedingt durch die Präposition bei, welche den Dativ regiert (fordert). Die Ersatzprobe zeigt, dass es sich bei bei irgendeinem, meinem Gedächtnis verlorengegangenen Dichter um eine einzige Wortgruppe handelt. Diese Wortgruppe soll nun in ihrer Struktur beschrieben werden. Der sogenannte Kern, also das Zentrum dieser Wortgruppe, bildet das Substantiv Dichter. Dieses Substantiv erhält einen indefiniten Artikel, nämlich irgendeinem. Da Kern dieser Wortgruppe ein Substantiv ist, spricht man auch von einer Nominalgruppe, nämlich irgendeinem Dichter. Die Nominalgruppe wiederum wird durch die Präposition bei eingeleitet wird und wird so zur Präpositionalgruppe:
    bei irgendeinem Dichter
    Des Weiteren können Nominalgruppen durch Attribute erweitert werden:
    der Hund -> der kleine Hund
    bei dem Wetter -> bei dem guten Wetter
    bei irgendeinem Dichter -> bei irgendeinem weisen Dichter
    bei irgendeinem Dichter -> bei irgendeinem verlorengegangenen Dichter
    In den ersten drei Beispielen wurde die Nominalgruppe um ein sogenanntes Adjektivattribut erweitert, da das Attribut formal durch ein Adjektiv realisiert wird. Im letzten Beispiel hingegen liegt ein Partizipialattribut vor, da hier das Partizip II des Verbs verlorengehen vorliegt. Partizipien besitzen die Eigenschaft, wie ein Adjektiv verwendet werden zu können, wie das obige Beispiel zeigt. Partizipialattribute werden von Vollverben abgeleitet und können daher durch diejenigen Satzglieder erweitert werden, die in einem Satz mit dem jeweiligen Vollverb als Prädikat vorkommen können. Das Verb verlorengehen legt folgenden Satzbauplan fest:
    es geht jemandem verloren
    das Datum geht meinem Gedächtnis verloren
    Der zweite Dativ ist folglich bedingt durch das Partizipialattribut verlorengegangenen. Die Nominalgruppe lässt sich also wie folgt beschreiben:
    wie bei irgendeinem (Artikel der Nominalgruppe; Dativ 1, von der Präposition regiert), meinem Gedächtnis (auf Partizipialattribut bezogene Erweiterung, Dativ 2, vom Verb regiert) verlorengegangenen (Partizipialattribut) Dichter (Kern der Wortgruppe)
     


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  3. 04.03.2019 06:21


  4. #3

    Standard Satzglieder

    Zitat:

    "(...) Dabei dachte ich an das zweite abstrakte Datum, wie bei irgendeinem, meinem Gedächtnis verlorengegangenen Dichter der eigene Todestag genannt wird, ein Datum, das man nie selbst in die eigene Lebensgeschichte einbeziehen kann und das doch, einmal auf einen Stein geschrieben, in ein Kreuzt geritzt, von einleuchtender Zwangsläufigkeit ist – wie die Kadenz einer Melodie. (...)"

    Dagmar Leupold: Nach den Kriegen: Roman eines Lebens
    books.google.ch

    Korrektur:
    Dabei dachte ich an das zweite abstrakte Datum, wie bei irgendeinem meinem Gedächtnis verloren gegangenen Dichter der eigene Todestag genannt wird, AN ein Datum, das man nie selbst in die eigene Lebensgeschichte einbeziehen kann und das doch, einmal auf einen Stein geschrieben, in ein KREUZ geritzt, von einleuchtender Zwangsläufigkeit ist – wie die Kadenz einer Melodie.

    Dabei > Präpositionalobjekt (Wobei?)

    dachte > Prädikat

    ich > Subjekt (Wer?)

    an das zweite abstrakte Datum, wie bei irgendeinem meinem Gedächtnis verloren gegangenen Dichter der eigene Todestag genannt wird, > Präpositionalobjekt (Woran?)

    AN ein Datum, das man nie selbst in die eigene Lebensgeschichte einbeziehen kann und das doch, einmal auf einen Stein geschrieben, in ein KREUZ geritzt, von einleuchtender Zwangsläufigkeit ist – wie die Kadenz einer Melodie. > Präpositionalobjekt (Woran?)

    Es ist kein Dativobjekt vorhanden.

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