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Thema: Eine Schülerin bzw. ein Schüler schreibt eine Inhaltsangabe im Rahmen einer Deutsch-Klausur konsequent im Präteritum. Was spricht dafür/dagegen, jede einzelne falsche Zeitform als Fehler zu werten?

  1. #1
    Unregistriert Gast

    Standard Eine Schülerin bzw. ein Schüler schreibt eine Inhaltsangabe im Rahmen einer Deutsch-Klausur konsequent im Präteritum. Was spricht dafür/dagegen, jede einzelne falsche Zeitform als Fehler zu werten?

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    Korrekturpraxis, Fachschaft Deutsch am Gymnasium sucht einheitliche Regelung

    Mit folgendem Nachschlagewerk versuchte ich dieser Frage auf den Grund zu gehen:
    -

  2. #2

    Standard Tempusformen in schulischen Textsorten

    Das Forum grammatikfragen.de sieht seinen Aufgabenbereich in der Beantwortung von Fragen zu grammatischen Zweifelsfällen im Sprachgebrauch.
    Eine Beratungsfunktion für den institutionalisierten Umgang mit Normen im schulischen Deutschunterricht kann das Forum aus Kompetenzgründen nicht übernehmen.
    Die Bewertungspraxis im schulischen Deutschunterricht unterliegt eigenen Gesetzmäßigkeiten. Folglich kann sie aus der Perspektive der Sprachwissenschaft (die wir hier vertreten) nur bedingt erläutert und bewertet werden.
    Vor allem ist dabei zu berücksichtigen, dass es sich bei der Festlegung der Normen für schulische Textsorten um "transitorische Normen" handelt (Feilke 2012), die dem Schriftspracherwerb dienen sollen. Sie bilden also nicht die Gebrauchsnormen des außerschulischen Sprachgebrauchs ab. Das gilt insbesondere für die strengen Normen zum Tempusgebrauch in schulischen Textsorten wie Inhaltsangabe, Bericht, Erzählung.
    Inwiefern es sinnvoll ist, in einer "didaktischen Gattung" wie der Inhaltsangabe eine Tempusnorm festzuschreiben, kann also nur didaktisch begründet werden, nicht linguistisch. Und ob man den "Fehler" (den ich also nur als einen Verstoß gegen die transitorische Norm werten würde) dann als einfachen Fehler mit Folgefehlern wertet oder ob man jeden einzelnen "Verstoß" erneut sanktioniert, können letzten Endes nur Sie selbst im Kontext der schulischen Praxis sinnvoll beantworten.

    Lektüreempfehlungen:
    Feilke, Hemluth (2012): Transitorische Normen. Argumente zu einem didaktischen Normbegriff. In: Didaktik Deutsch 20, 115-135.
    Hennig, Mathilde (2012): Was ist ein Grammatikfehler? In: Günthner, Susanne / Imo, Wolfgang / Meer, Dorothee / Schneider, Jan Georg (Hrsg.): Kommunikation und Öffentlichkeit: Sprachwissenschaftliche Potenziale zwischen Empirie und Norm. Tübingen: Nie-meyer (Reihe Germanistische Linguistik 296), 121-148.

  3. #3

    Standard Präsens

    Vergangene Handlungen stehen in einem Werk meistens im Präteritum, aber manchmal auch im Perfekt oder im Präsens. Eine Inhaltsangabe informiert darüber, was gegenwärtig in einem Text steht. Sie wird deshalb in der Regel im Präsens geschrieben:

    "Faust war ein Gelehrter, der nach Wissen strebte."
    Faust ist ein Gelehrter, der nach Wissen strebt.

    Auch Tempuswechsel im Text werden bei der Inhaltsangabe in der Regel nicht mitvollzogen. Ausnahme: Der Bezug Präteritum/PQP wird in Präsens/Perfekt umgeformt.

    "(...) Er bemerkte eben etwas in seine Schreibtafel, als Felix, der umher geklettert war, mit einem Stein in der Hand zu ihm kam." (Goethe, Wanderjahre)
    Während er etwas auf seine Schiefertafel kritzelt, steigt Felix, der vorher auf einen Baum geklettert ist, zu ihm herunter.

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