+ Antworten
Ergebnis 1 bis 2 von 2

Thema: Was ist der Unterschied zwischen "müssen" und ''sollen''

  1. #1
    Unregistriert Gast

    Standard Was ist der Unterschied zwischen "müssen" und ''sollen''

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    Die Kinder mit 6 Jahren ___ zur Schule gehen.

    Mit folgendem Nachschlagewerk versuchte ich dieser Frage auf den Grund zu gehen:
    Duden Band 4 S. 573;''Lehr-und Übungsbuch der deutschen Grammatik;Internet

     
    Mein Problem ist, dass unterschiedliche Quellen ganz widersprüchliche Antworten geben.

    Z.B. ich habe Duden Band 4 S. 573 nachgeschlagen, da steht ''sollen kann bedingt sein durch Gesetze, Normen,Vorschriften.....''. im Buch ''Lehr-und Übungsbuch der deutschen Grammatik heißt es auch so.
    aber auf www.deutschplus.net heißt es ''Das Modalverb müssen drückt in seiner Hauptbedeutung Notwendigkeit aus. Diese Notwendigkeit kann sich aus verschiedenen Gründen ergeben. Diese können beispielsweise gesellschaftliche Normen, eine innere Verpflichtung, eine Regel, ein Gesetz oder ein Naturgesetz sein.(https://www.deutschplus.net/pages/Modalverb_mussen)

    die oben genannten Quellen haben mich durcheinander gebracht.

    Ich freue mich auf Ihre Antwort

  2. #2

    Standard Unterschied und Verwendung der Modalverben "müssen" und "sollen"

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    Sprachsystem

    In Ihrer Frage thematisieren Sie den Unterschied der beiden Modalverben müssen und sollen. Modalverben besitzen die Eigenschaft, die Bedeutung des Vollverbs in einem Satz zu modifizieren (zu verändern). Dabei können Modalverben semantisch verschiedene Aspekte hervorheben:
    Ich kann in die Schule gehen. -> Möglichkeit
    Ich will in die Schule gehen. -> Wünsch
    Ich muss in die Schule gehen. -> Notwendigkeit
    Dabei sind die einzelnen semantischen Eigenschaften nicht immer trennscharf voneinander abzugrenzen. Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle (Duden Band 9) charakterisiert müssen als gezwungen sein. Dieses Modalverb drückt also eine Notwendigkeit aus, welche durch äußere Umstände hervorgerufen werden kann. Im Fall des Modalverbs sollen wird in der Dudengrammatik (Duden Band 4) angegeben, dass hierbei nur eine von außen bedingte Notwendigkeit gemeint wird. Das Modalverb müssen hingegen kann auch vom Subjekt selbst motiviert werden. Die nachfolgenden Beispiele skizzieren diese Unterschiede:
    Du sollst nicht töten. -> Gesetze/ Normen
    Du sollst mich lieben. -> Wille des Sprechers
    Wir müssen alle sterben. -> Naturgesetze
    An unserer Schule mussten sich die Schüler früher vor Schulbeginn in Reih und Glied aufstellen. -> Normen
    Ich bin in mich gegangen und musste zugeben… -> innerer Zwang
    Das Modalverb sollen verweist demnach auf äußere Einflüsse, durch welche eine Handlung notwendig wird. Müssen wird auch in diesem Kontext verwendet, kann jedoch auch durch das Subjekt selbst motiviert sein, wie das letzte Beispiel zeigt. Auch hinsichtlich der sogenannten modalen Stärke gibt es Unterschiede. Müssen drückt vehementer eine Notwendigkeit aus als sollen. Nach diesen grundlegenden Ausführungen zu den beiden Modalverben soll nun Ihr Beispiel näher untersucht werden:
    Die Kinder mit 6 Jahren müssen/ sollen zur Schule gehen.
    Die Notwendigkeit des Schulbesuchs basiert auf einer von außen gegebenen Notwendigkeit, nämlich der Schulpflicht. Da hier keine Notwendigkeit seitens des Subjekts/ der Schülerinnen und Schüler im Fokus steht, sind unter diesem Gesichtspunkt beide Modalverben zulässig. Ausschlaggebend ist nun, wie stark Sie die Notwendigkeit herausstellen möchten:
    1. Die Kinder mit 6 Jahren sollen zur Schule gehen.
    2. Die Kinder mit 6 Jahren müssen zur Schule gehen.
    In der zweiten Variante mit müssen wird die Notwendigkeit/ der Zwang deutlicher als in der ersten Variante. Prinzipiell wird jedoch auch in der ersten Variante eine Notwendigkeit mit sollen ausgedrückt. Daher ist es Ihnen überlassen, wie stark Sie die Notwendigkeit herausstellen möchten. Eine Faustregel, wann welches Modalverb einzusetzen ist, kann nicht gegeben werden.
     


    Sprachgebrauch

    Im Folgenden soll eine Sprachgebrauchsanalyse zeigen, welches der beiden Modalverben im Kontext zur Schule gehen häufiger verwendet wird. Dazu wurde eine Recherche mit dem Deutschen Referenzkorpus durchgeführt. Die Variante sollen zur Schule gehen wurde insgesamt 32 Mal angegeben:
    Alle Kinder sollen zur Schule gehen, lautet das Motto.
    Alle seine Kinder sollen zur Schule gehen, auch die Mädchen, davon weicht er nicht ab.
    Hingegen ergab die Suche nach müssen zur Schule gehen insgesamt 59 Treffer:
    Auch Lehrer müssen zur Schule gehen
    Die Kinder und Jugendlichen müssen zur Schule gehen.
    Die Suche zeigt, dass beide Varianten im Sprachgebrauch vertreten sind, jedoch die Variante mit müssen fast doppelt so häufig vorkommt wie die Variante mit sollen. Anhand dieser Daten kann von einer Tendenz zu müssen festgehalten werden:
    Die Kinder mit 6 Jahren müssen zur Schule gehen.
     


    Umfrage zum Umgang mit dieser Antwort

    War diese Antwort hilfreich für Sie? Wie gehen Sie damit um?
    Helfen Sie unserem Forschungsteam von der Universität Gießen dabei herauszufinden, wie eine solche Grammatik benutzt wird, welche Erläuterungen interessant sind und wie Sie damit umgehen. Durch die Beantwortung unseres Fragebogens tragen Sie dazu bei, die Qualität unserer Antworten und die Qualität von Grammatiken zu verbessern!

    Umfrage öffnen


+ Antworten

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein