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Thema: "Glücklich ich, der ich mich Euer Freund nennen darf" oder heißt es "..., der ich mich Euren Freund nennen darf"?

  1. #1
    Unregistriert Gast

    Standard "Glücklich ich, der ich mich Euer Freund nennen darf" oder heißt es "..., der ich mich Euren Freund nennen darf"?

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    Beim Schreiben eines Dankesbriefes

    Mit folgendem Nachschlagewerk versuchte ich dieser Frage auf den Grund zu gehen:
    Wahrig

  2. #2

    Standard Kasus der Bezugsgruppe bei "nennen"

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

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    Sie möchten eine Antwort auf die Frage bekommen, in welchem Kasus bei Konstruktionen mit nennen die Gruppe steht, die eben diese Benennung beinhaltet. Hierfür haben Sie folgenden Beispielsatz gewählt:
    (1) Glücklich ich, der ich mich Euer/Euren Freund nennen darf.
    Analysieren wir zunächst diesen Satz:

    Ihr Beispielsatz beginnt mit einem elliptischen Hauptsatz. Elliptisch wird dieser deswegen genannt, weil er kein finites Verb aufweist. Man könnte ergänzen: Glücklich bin ich, der ich mich… Vom Hauptsatz abhängig ist ein Nebensatz, genauer ein Relativsatz. Relativsätze haben gemeinhin ein Bezugswort im übergeordneten Satz (hier: ich). Darüber hinaus werden Relativsätze auch als Attributsätze bezeichnet, da sie dem Bezugswort nähere Eigenschaften zuschreiben. Zudem lässt sich erkennen, dass der Schreiber dieses Satzes männlich sein muss, denn der auf das Personalpronomen ich bezogene Relativsatz beginnt hier mit dem Relativpronomen der. Der Relativsatz an sich lässt sich zu folgendem Hauptsatz umformulieren:
    (1’) Ich darf mich Euer/Euren Freund nennen.
    Funktional enthält der Hauptsatz das Subjekt ich, ein Akkusativobjekt mich und das mehrteilige Prädikat darf nennen. Bislang unbeachtet bleibt die Nominalgruppe Euer/Euren Freund. Betrachten wir hier zunächst die formale Struktur:

    Kern der Nominalgruppe ist das Nomen Freund. Dieses Nomen ist durch den possessiven, besitzanzeigenden Artikel Euer/Euren erweitert worden. Die Großschreibung von Euer/Euren ist im Kontext Ihres Briefes übrigens möglich, tritt außerhalb dessen aber nur vor Titeln (z.B. Eure Exzellenz) notwendigerweise auf. Im Unterscheid zu dem Possessivpronomen (Das ist unseres.) richtet sich der possessive Artikel euer, eure nach dem Nomen, mit dem er in den grammatischen Kategorien Kasus, Numerus und Genus übereinstimmt (= KNG-Kongruenz). Der Kasus dieser Nominalgruppe hängt wiederum indirekt von dem Verb nennen ab, das im Aktiv ein Akkusativobjekt (mich) fordert. Indirekt deswegen, weil es sich hier bei der Nominalgruppe Euer/Euren Freund um ein Objektsprädikativ handelt. Objektsprädikative beziehen sich auf das Objekt des Satzes (hier: das Akkusativobjekt mich) und treten mit diesem in Kongruenz. Folglich übernimmt die Nominalgruppe Euer/Euren Freund den Kasus (Akkusativ) der Bezugsgruppe mich. Ihr Beispielsatz lautet demnach richtig:
    (1’) Ich darf [mich] [Euren Freund] nennen.
     


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  3. #3

    Standard glücklich

    "Glücklich ich, der ich mich Euer Freund nennen darf"

    Standarddeutsch:

    Ich bin glücklich, dass ich mich euren Freund nennen darf.
    Ich bin glücklich, weil ich mich euren Freund nennen darf.
    Ich bin glücklich, dass ich euer Freund sein darf.

    Ich > Subjekt (Wer?)
    bin > Kopula
    glücklich, > Prädikativ (Wie?)
    dass (weil) ich mich euren Freund nennen darf. > Kausaladverbiale (Weshalb?)

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