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Thema: Ist folgender Satz richtig, falsch oder nur missglückt? "Wir hoffen, dass unser Seminar Ihnen gefallen hat."

  1. #1
    Unregistriert Gast

    Standard Ist folgender Satz richtig, falsch oder nur missglückt? "Wir hoffen, dass unser Seminar Ihnen gefallen hat."

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    Ich habe diesen Satz als Einleitung zur Abgabe eines Feedbacks zu einem Firmen-Seminar bekommen.

    Ich halte obigen Satz nicht für falsch aber für verunglückt (er klingt sperrig und irgendwie so, als wenn er aus einer automatischen Übersetzung kommt, was meines Wissens aber nicht der Fall ist).
    Meines Erachtens wäre folgende Satzstellung besser:
    "Wir hoffen, dass Ihnen unser Webinar gefallen hat."

    - Das Original stellt meines Erachtens das UNSER in den Vordergrund. Es dürfte also auch Seminare anderer Anbieter geben.
    - Mein Favorit stellt das IHNEN in der Vordergrund, also die persönliche Ansprache.
    Welche Satzstellung würden Sie mir empfehlen?

  2. #2

    Standard Abfolge im Mittelfeld - Reihenfolge der Satzglieder im Nebensatz

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

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    In Ihrer Frage thematisieren Sie die Reihenfolge der Ergänzungen im dass-Satz und haben dazu zwei verschiedene Varianten vorgeschlagen:
    1. Wir hoffen, dass unser Seminar Ihnen gefallen hat.
    2. Wir hoffen, dass Ihnen unser Webinar gefallen hat.
    Somit betrifft Ihre Frage den Bereich der Wortstellung im sogenannten Mittelfeld. Das Mittelfeld tritt sowohl in Aussagesätzen mit Verbzweitstellung auf als auch in Subjunktionalsätzen. Im Aussagesatz steht das Mittelfeld zwischen dem finiten Verb und möglichen infiniten Verben. Im Nebensatz bildet das Mittelfeld den Bereich zwischen Subjunktion (z.B. dass) und den Verbteilen:
    Aussagesatz: Peter liest [ein Buch]Mittelfeld. Peter hat [ein Buch]Mittelfeld gelesen.
    Subjunktionalsatz: Wir hoffen, dass [die Sonne]Mittelfeld scheint. Wir hoffen, dass [unser Seminar Ihnen]Mittelfeld gefallen hat.
    Fraglich in Ihrem Beispiel ist die Reihenfolge von Subjekt (unser Seminar) und Dativobjekt (Ihnen) im Mittelfeld. Laut Dudengrammatik (Duden Band 4) ist die Wortstellung im Deutschen recht frei, jedoch gibt es bestimmte Tendenzen, in welcher Reihenfolge die Satzglieder im Mittelfeld auftreten. Als generelle Tendenz gibt die Dudengrammatik folgendes Muster an:
    Subjekt > Dativobjekt > Akkusativobjekt > übrige Ergänzungen
    Zu beachten ist, dass nicht eindeutig ersichtlich ist, ob diese Tendenz nur für den Aussagesatz zutreffend ist oder auch auf Subjunktionalsätze übertragen werden kann. Da jedoch keine expliziten Regeln für die Abfolge im Subjunktionalsatz angegeben werden, wird die angegebene Reihenfolge betrachtet. Die oben genannte Tendenz ist auch in der ersten Variante Ihres Beispiels zu finden. Es gibt jedoch Faktoren, welche eine Veränderung dieser Reihenfolge begünstigen. So stehen schwach betonte Pronomen beispielsweise nach der linken Satzklammer im Aussagesatz, unabhängig davon, welche Satzgliedfunktion sie besitzen:
    Morgen will Anna der Chefin den Bericht übergeben.
    Morgen will sie der Chefin den Bericht übergeben.
    Morgen will ihr Anna den Bericht übergeben.
    Morgen will ihn Anna der Chefin übergeben.
    In Ihrem Beispiel liegt mit Ihnen ein Pronomen vor. Da laut Dudengrammatik das Pronomen vor allen anderen Elementen im Mittelfeld steht, kann so Ihre zweite Variante erklärt werden. Hier steht das Pronomen vor dem Subjekt, obwohl es sich bei Ihnen um ein Dativobjekt handelt. Vor den schwach betonten Pronomen kann laut Dudengrammatik im Mittelfeld noch das Subjekt stehen, wobei die Reihenfolge Pronomen > Subjekt geläufig ist. Demnach sind prinzipiell die beiden genannten Varianten korrekt, es liegt somit in der ersten Variante kein Fehler vor, wenn das Pronomen nach dem Subjekt steht. Jedoch gibt es laut Dudengrammatik eine Tendenz für die zweite Variante, weshalb Ihnen diese möglicherweise geläufiger ist.
     


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