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Thema: Kann man die Konjunktionen "unter anderem" und "zum anderen" bzw. "weiterhin" in einem Satz verwenden?

  1. #1

    Standard Kann man die Konjunktionen "unter anderem" und "zum anderen" bzw. "weiterhin" in einem Satz verwenden?

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    Im Rahmen des Verfassens einer E-Mail

    Mit folgendem Nachschlagewerk versuchte ich dieser Frage auf den Grund zu gehen:
    Mit dem Duden

    Beispiel bzgl. meiner Frage:

    "Dein Hürdenlauf wird schwierig; unter anderem wegen der Luftfeuchtigkeit und zum anderen / weiterhin wegen der knappen Zeit."

    Ist der Satz grammatikalisch bzw. semantisch korrekt?

    Darf ich, wenn ich unter anderem schon verwende, dann noch zum anderen bzw. weiterhin benutzen?

    Oder müsste man dem Satz einer völligen Umformulierung unterwerfen?

  2. #2

    Standard Verwendung und Reihung von Konnektoren

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    Sprachsystem

    Sie thematisieren in Ihrer Frage die Verwendung bzw. Aufeinanderfolge verschiedener Konnektoren innerhalb eines Satzes. Dazu haben Sie folgendes Beispiel thematisiert:
    Dein Hürdenlauf wird schwierig; unter anderem wegen der Luftfeuchtigkeit und zum anderen / weiterhin wegen der knappen Zeit.
    Bevor Ihr Beispiel näher betrachtet wird, folgen zunächst einige Erläuterungen zu Konnektoren. Laut Dudengrammatik (Duden Band 4) dienen Konnektoren dazu, einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen zwei Aussagen zu schaffen. Als Konnektoren können verschiedene Wortarten fungieren, u. a. Präpositionen (z.B. wegen), Subjunktoren (z.B. weil) und Adverbien (z.B. ferner). Auch semantisch können Konnektoren unterschieden werden. So gibt es Konnektoren, die zwei Sachverhalte gleichrangig miteinander verknüpfen. Diese Konnektoren werden in der Dudengrammatik kopulative Konnektoren genannt. Prominente Beispiele sind die Konnektoren und sowie oder. Davon zu unterscheiden sind beispielsweise adversative Konnektoren, wie beispielswese aber oder auch zum einen – zum anderen. Bei zum einen – zum anderen handelt es sich um einen sogenannten paarigen Konnektor. Paarige Konnektoren zeichnen sich nämlich dadurch aus, dass die sogenannten Konnekte – also die Bestandteile, die miteinander verknüpft werden – nicht durch einen Konnektor verbunden werden, sondern jedes der beiden Konnekte einen Konnektor enthält:
    [A]Konnekt 1 und [B]Konnekt 2
    Zum einen [A]Konnekt 1, zum anderen [B]Konnekt 2.
    [Anja fährt gerne Auto]Konnekt 1 und [sie liebt die Natur]Konnekt 2.
    Zum einen [fährt Anja gerne Auto]Konnekt 1, zum anderen [liebt sie die Natur]Konnekt 2.
    Einerseits [fährt Anja gerne Auto]Konnekt 1, andererseits [liebt die die Natur]Konnekt 2.
    Anja fährt sowohl [Auto]Konnekt 1 als auch [LKW]Konnekt 2.
    Auf eine vollständige Auflistung der Dudengrammatik zur semantischen Klassifikation der einzelnen Konnektoren wird hier verzichtet; es sollen jedoch die in Ihrem Beispiel verwendeten Konnektoren klassifiziert werden:
    Dein Hürdenlauf wird schwierig; unter anderem wegen der Luftfeuchtigkeit und zum anderen / weiterhin wegen der knappen Zeit.
    Die Konnektoren, welche sowohl fett markiert als auch unterstrichen wurden, sollen nur kurz erörtert werden: Durch den Konnektor und werden zwei Sachverhalte gleichrangig aneinandergereiht. Die Präposition wegen dient als Konnektor, um den Grund für die Schwierigkeit des Hürdenlaufes anzugeben. Die Reihung mit und sowie die zweimalige Verwendung von wegen zeigen die Gleichrangigkeit der Aussagen. Nun werden die Konnektoren unter anderem, zum anderen und weiterhin näher betrachtet. Im Fall des Konnektors zum anderen handelt es sich laut dem Wörterbuch der Konnektoren (bereitgestellt vom Institut für deutsche Sprache) um einen adversativen Konnektor, da zwei Sachverhalte gegenübergestellt werden:
    Zwiespältig betrachtet der Tabellenzweite die kommende Aufgabe. Zum einen dürfte die Euphorie über das Erreichen des Bezirkspokalfinales Ansporn sein, zum anderen könnte die Zusatzbelastung des Mittwochspiels dem SVL noch in den Knochen stecken. (Braunschweiger Zeitung, 3.11.2005, o. S.)
    Laut dem Konnektorenhandbuch kann der Konnektor auch additiv verwendet werden:
    Stockholm, 1912: Die schwedische Hauptstadt erlebt gleich zwei ungewöhnliche Ereignisse. Zum einen ist es tatsächlich Sommer in Stockholm, zum anderen darf man die Olympischen Spiele ausrichten. (Nürnberger Nachrichten, 13.2.2013, S. 30)
    Das Adverb weiterhin sorgt für eine gleichrangige Verbindung – es handelt sich um einen kopulativen Konnektor:
    Die Artikel der online-Ausgabe werden ständig aktualisiert. Weiterhin gibt es Hintergrundmaterial zu den einzelnen Artikeln.
    Zwar wird der Konnektor unter anderem nicht explizit in der Dudengrammatik und auch nicht im Konnektorenhandbuch benannt, er kann jedoch durch andere kopulative Konnektoren (z.B. außerdem, ebenfalls, des Weiteren) ersetzt werden, ohne die Semantik zu verändern. Aus semantischer Perspektive ist daher festzuhalten, dass alle von Ihnen verwendeten Konnektoren Gleichrangigkeit zwischen zwei Sachverhalten schaffen mit Ausnahme des adversativen Konnektors zum anderen. Die Wahl der Konnektoren beeinflusst demnach, in welchem Verhältnis die zwei Aussagen Ihres Beispielsatzes zueinander stehen. Durch den adversativen Konnektor drücken Sie aus, dass hier zwei unterschiedliche Aspekte für die Schwierigkeit des Hürdenlaufes beitragen. Durch die kopulativen Konnektoren legen Sie den Fokus auf die Vielzahl der Aspekte, welche den Hürdenlauf erschweren:
    Kopulativ: Dein Hürdenlauf wird schwierig; erstens wegen der Luftfeuchtigkeit und zweitens wegen der knappen Zeit.
    Adversativ: Dein Hürdenlauf wird schwierig; zum einen wegen der Luftfeuchtigkeit und zum anderen wegen der knappen Zeit.
    Die Dudengrammatik verweist jedoch darauf, dass adversative Konnektoren auch weiterführend bzw. kopulativ gelesen werden können – eine strikte Trennung der Semantik ist folglich problematisch. Einzig zu diskutieren wäre, inwieweit der Konnektor zum anderen ohne zum einen verwendet werden kann. Es handelt sich nämlich bei dem Konnektor zum anderen um einen Konnektor, der paarig verwendet wird, wie die obigen Beispiele zeigen. Dabei wird der Konnektor zum anderen in der Regel mit dem Konnektor zum einen verbunden. In Ihrem Beispiel haben Sie sich für die Verbindung unter anderem – zum anderen entschieden. Zwar ist der Ausdruck zum einen – zum anderen als paariger Konnektor lexikalisiert, es handelt sich hier um eine feste Wendung. Dennoch spricht aus sprachsystematischer Perspektive nichts dagegen, die von Ihnen gewählte Formulierung zu verwenden. Laut dem Konnektorenhandbuch gibt es zudem lediglich Regeln zur Stellung der einzelnen Konnektoren in einem Satz; zur Verwendungsweise paariger Konnektoren sind keine Anhaltspunkte zu finden. Letztlich können die von Ihnen gewählten Konnektoren einer semantischen Klasse zugeordnet werden. Daraus ist zu schließen, dass die von Ihnen verwendeten Konnektoren durchaus miteinander verwendet werden können, da sie sich semantisch nicht ausschließen.
     


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