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Thema: Satzbauschema

  1. #1
    Unregistriert Gast

    Standard Satzbauschema

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    Klassenarbeit des Kindes

    Mit folgendem Nachschlagewerk versuchte ich dieser Frage auf den Grund zu gehen:
    Schulbücher

    Hallo zusammen,

    in der letzten Klassenarbeit meines Kindes ging es u.a. um das Thema "Satzbauschema" (Hauptsatz-Hauptsatz, Hauptsatz-Nebensatz usw.).

    Konkret sollte in einem Fall das Satzbauschema eines Satzes der folgenden Art bestimmt werden:
    "Der Polizist fing den Dieb und verhaftete ihn."

    Lösung in der Korrektur: Hauptsatz + Hauptsatz
    Ist "verhaftete ihn" wirklich ein Hauptsatz? Was ist dann hier mit dem Subjekt des Hauptsatzes passiert?
    Lautete der Satz "... und ER verhaftete ihn", würde ich es verstehen.
    Oder ist das ganze nur ein Hauptsatz? Aber was wären dann hier die Satzglieder? Subjekt + Prädikat + Akkusativobjekt + Konjunktion + Prädikat + Akkusativobjekt?

    Vielen Dank im Voraus. Mir geht es hier nur darum, meinem Kind den angestrichenen Fehler zu erläutern. Im Vorfeld hatte ich ihm vermittelt, dass ein Hauptsatz immer mindestens aus Subjekt und Prädikat besteht und für sich alleine stehen kann. Diese Erklärung versagt natürlich bei "verhaftete ihn".

  2. #2

    Standard Ellipse des Subjektes in zwei koordinierten Hauptsätzen

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    Sprachsystem

    In Ihrer Frage thematisieren Sie, inwieweit im folgenden Beispiel zwei Hauptsätze vorliegen:
    Der Polizist fing den Dieb und verhaftete ihn.
    In Ihrem Beispiel können zunächst deshalb zwei Hauptsätze angenommen werden, weil mit fing und verhaftete zwei finite (gebeugte) Verben vorliegen. Generell ist zu sagen, dass es sehr unterschiedliche Definitionsansätze gibt, um abzugrenzen, was ein Satz ist und was nicht. Laut Dudengrammatik (Duden Band 4) lautet eine mögliche Satzdefinition wie folgt:
    Ein Satz ist eine Einheit, die aus einem Prädikat mit finitem Verb und den dazugehörigen Ergänzungen und Angaben besteht.
    Ausgehend von dieser Definition ist das finite Verb ein relevantes Argument dafür, ob ein Satz vorliegt oder nicht. Ausgehend von den finiten Verben in Ihrem Beispielsatz liegt die Vermutung nahe, dass zwei Hauptsätze vorliegen. Durch die Konjunktion und werden die beiden Handlungen bzw. Hauptsätze verknüpft:
    Handlung 1: Der Polizist fing den Dieb.
    Handlung 2: Der Polizist verhaftete ihn.
    Handlung 1 und 2: Der Polizist fing den Dieb und der Polizist verhaftete ihn.
    Die Beispiele zeigen, dass in beiden Fällen das Subjekt der Handlungen der Polizist ist. Nun können laut Dudengrammatik identische Teile in einem Satz ausgespart werden, um Dopplungen zu vermeiden. Diese Aussparung bezeichnet man auch als Ellipse:
    Der Polizist fing den Dieb und der Polizist verhaftete ihn.
    Der Polizist fing den Dieb und […] verhaftete ihn.
    Die Dudengrammatik verweist darauf, dass durch solche Aussparungen ein Satz nicht ungrammatisch wird, da es sich um logische Aussparungen handelt – das Subjekt wird im zweiten Teilsatz dennoch mitgedacht und nicht als fehlend betrachtet. Folglich liegen hier zwei koordinierte Hauptsätze vor, wie oben gezeigt wurde.
     


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