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Thema: Heißt es "den Mitarbeitern/-innen" oder "den Mitarbeiter/-innen"

  1. #1

    Standard Heißt es "den Mitarbeitern/-innen" oder "den Mitarbeiter/-innen"

    Die Frage zielt darauf, ob bei sog. Genderschreibweise (wie sie z.B. das Duden-Wörterbuch an entsprechender Stelle angibt) der Dativ-Plural bei der maskulinen Form markiert werden muss, was das Problem erzeugt, dass die Anschlussstelle für die fem. Form "-innen" in das Wortinnere rutscht, oder begnügt man sich mit der unmarkierten Dativ-Form der fem. Form "Mitarbeiterinnen", was das Problem erzeugt, dass die maskuline Form "den Mitarbeiter" als Dativ-Plural falsch ist.

  2. #2

    Standard

    Sprachsystem

    Die grammatischen und orthographischen Konsequenzen der aus dem Bedürfnis nach political correctness hervorgegangenen Genderschreibung sind unseres Wissens in keinster Weise normativ geregelt. Die Frage, wie mit diesen Formen grammatisch umzugehen ist, ist deshalb besonders diffizil, weil sich hier durch das Bedürfnis nach einer gendergerechten Schreibung hervorgerufene Überlagerung von natürlichem Geschlecht und der grammatischen Kategorie Genus Komplikationen ergeben: Die Markierung beider natürlichen Geschlechter durch die grammatische Kategorie Genus markierende Flexionsendungen führt zu einer Aufhebung der Trennung von natürlichem und grammatischem Geschlecht (grammatisches Genus bildet ja eigentlich nicht das natürliche Geschlecht ab, vgl. bspw. das Mädchen – die Frau, die Katze – das Pferd – der Hund). Das hat zur Folge, dass sich die grammatische Organisation der nach dem Genderprinzip gebildeten Personenbezeichnungen nun dem Bedürfnis nach Gleichstellung anpassen muss. Insofern wäre es nur konsequent zu sagen, dass der Dativ Plural den Mitarbeitern/-innen lauten müsste. Dass wir diesbezüglich aber noch schwanken, liegt offensichtlich daran, dass eine Doppelmarkierung grammatischer Kategorien an einem Lexem im grammatischen System eigentlich nicht vorgesehen ist. Dies mag auch der Grund dafür sein, dass hier im Sprachgebrauch die Notwendigkeit der Markierung von Dativ Plural am maskulinen Bestandteil der Genderbildung häufig suspendiert wird (vergleichbar etwa mit dem Prinzip der Monoflexion in der Nominalgruppe).
     


    Sprachgeschichte

    Wir sind gegenwärtig Zeugen eines Sprachwandelprozesses, der darin besteht, qua Konventionalisierung die Konsequenzen aus dem Bedürfnis nach gendergerechten Personenbezeichnungen auszuhandeln. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie sprachliche Formen geschaffen werden können, die einerseits dem Bedürfnis nach der Nennung beider Geschlechter gerecht werden, die aber andererseits dazu geeignet sind, Doppelnennungen zu vermeiden. Aus diesen Entwicklungen können bspw. Formen hervorgehen, die geschlechtsneutral sind (Lehrende, Studierende) oder auch bestimmte Kurzformen (SuS). Solche neuen Wortbildungsprodukte können dann im Sprachgebrauch einfach in die jeweilige grammatische Umgebung integriert werden. Da es bislang nur in vereinzelten Fällen zur Entstehung neuer Wortbildungsprodukte als Reaktion auf das Gleichstellungsbedürfnis gekommen ist, bleibt ein Kernbereich an Personenbezeichnungen, bei denen die Nennung beider Geschlechter durch den Zusatz der weiblichen Pluralendung –innen vorgenommen wird.
     

    Sprachgebrauch

    Da wir hier wie bereits angedeutet gegenwärtig nur die Möglichkeit haben, die derzeit ablaufenden Konventionalisierungsvorgänge zu verfolgen, scheint ein Blick auf den aktuellen Sprachgebrauch aufschlussreich. Die Suche nach der Wortgruppe den Mitarbeiter/-innen vs. den Mitarbeitern/-innen bei google ergibt 204.000 Treffer für die erste Schreibweise und 49.700 für die zweite.
     


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  3. #3
    Besserwisser Gast

    Standard Keinste Weise

    Hallo! In Ihrem Beitrag sprechen Sie von "keinster Weise". Meines Wissens nach gibt es keine Steigerung bei "kein", genauso wie bei tot und schwanger.

    Liebe Grüße

  4. #4

    Standard Idiomatische Wendungen

    Sie haben Recht mit Ihrer Einschätzung, dass kein normalerweise nicht steigerbar ist. Das liegt in dem Fall nicht wie bei tot oder schwanger daran, dass es sich um ein Adjektiv handelt, das aufgrund der Adjektivsemantik keine Steigerung zulässt, sondern einfach daran, dass kein kein Adjektiv ist, sondern ein Artikelwort bzw. Pronomen.
    Es kommt im Sprachgebrauch aber in verschiedenen Fällen immer wieder vor, dass sich die Dinge entgegen der Grundregeln "verselbstständigen". In der Sprachwissenschaft spricht man dann von idiomatisiertem (= verfestigtem) Gebrauch. So handelt es sich bei in keinster Weise um eine feste Wendung. Wir können hier nicht rekonstruieren, warum sich diese herausgebildet hat - möglicherweise schien diese Regelwidrigkeit gerade dazu geeignet zu sein, die Verneinung besonders zu betonen. Ein Blick in die Recherchedatenbank des Instituts für deutsche Sprache führt aber immerhin zu ca. 8500 Belegen für in keinster Weise in der geschriebenen Standardsprache.

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