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Thema: Wieso werden manche Musiker ...ist (z.B. Flötist) genannt und andere ...er (z.B. Trompeter). Andere Endungen bei den Musikern kenne ich gar nicht. Welche Regel wird hier angewendet?

  1. #1
    Unregistriert Gast

    Standard Wieso werden manche Musiker ...ist (z.B. Flötist) genannt und andere ...er (z.B. Trompeter). Andere Endungen bei den Musikern kenne ich gar nicht. Welche Regel wird hier angewendet?

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    Eher zufällig. Ich interessiere mich sehr für Musik-

  2. #2
    Registriert seit
    03.07.2014
    Ort
    Gießen
    Beiträge
    271

    Standard Wortbildung über Derivation

    Sprachsystem


    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    Ihre Frage betrifft die Wortbildung im Deutschen. Dabei geht es konkret um die Wortbildung mithilfe von sogenannten Wortbildungsmorphemen. Bei diesen handelt es sich um Wortbausteine, die an bereits existierende Wortstämme angehängt werden und durch die ein neues Wort mit einer neuen Bedeutung entsteht, wie in den folgenden Beispielen:

    Beispiel


    Glückglück-lich
    reisenab-reisen


    Diese Art der Wortbildung wird auch als Derivation bezeichnet. Auch in den von Ihnen genannten Beispielen werden die Wörter zur Bezeichnung von Musikern über die Derivation gebildet:

    Beispiel


    FlöteFlöt-ist
    TrompeteTrompet-er


    Es lässt sich erkennen, dass am Stamm des Wortes zur Bezeichnung des Musikinstruments unterschiedliche Wortbildungsmorpheme, in diesem Fall Suffixe, angehängt werden, durch die deutlich wird, dass hier von dem entsprechenden Musiker die Rede ist und nicht mehr von dem Instrument. Die Suffixe –er und –ist sind demnach Marker dafür, dass es sich um Personen handelt, ähnlich wie in:

    Beispiel


    Fleisch-er
    Essay-ist


    Sie fragen nun, worin der Unterschied zwischen diesen Personenmarkern besteht. Dabei findet sich in der Dudengrammatik zunächst der Verweis, dass es sich bei dem Suffix –ist um ein sogenanntes Fremdsuffix handelt. (Vgl. Dudengrammatik, Randnummer 1108) Dabei handelt es sich also um ein Suffix, das aus einer anderen Sprache entlehnt wurde. Es kommt nämlich von dem lateinischen Suffix –ista. Im Gegensatz dazu ist das Suffix –er eine typisch deutsche Endung. Das legt die These nahe, dass das Suffix –ist besonders dann zur Personenbezeichnung verwendet wird, wenn der Wortstamm ebenfalls entlehnt wurde. Diese These wurde exemplarisch an einer Auswahl von Musikerbezeichnungen mithilfe des digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache überprüft. Das Ergebnis zeigt die folgende Tabelle:


    Musikerbezeichnung Personensuffix Wortursprung
    Flötist -ist Romanischen Ursprungs (genauer Ursprung ungeklärt)
    Pianist -ist Italienisch
    Gitarrist -ist Spanisch
    Bassistl -ist Italienisch
    Violinist -ist Italienisch
    Fagottist -ist Italienisch
    Klarinettist -ist Italienisch
    Organist -ist Latein
    Saxophonist -ist Französisch
    Tubist -ist Latein
    Geiger -er Althochdeutsch
    Trompeter -er Germanisch
    Schlagzeuger -er Germanisch
    Trommler -er Althochdeutsch
    Flöter -er Mittelhochdeutsch

    Anhand dieser Beispiele scheint sich die These zu bestätigen, dass das Suffix –ist genau dann als Personenmarker verwendet wird, wenn es sich um Lehnwörter aus romanischen Sprachen handelt. Das Suffix –er hingegen wird dann verwendet, wenn das Wort aus germanischen Sprachen stammt.

    Ein Sonderfall bildet hier jedoch die Bezeichnung für einen Flötenspieler. Im 16. Jahrhundert wurde dieser als Flöter bezeichnet, abstammend von dem mittelhochdeutschen Wort vloitære. Erst im 18. Jahrhundert setzt sich dann die Bezeichnung Flötenist durch, die im 19. Jahrhundert zu Flötist wird. Dies weicht insofern von der oben gennannten These ab, als dass das Wort Flöte aus den romanischen Sprachen entlehnt ist und daher der entsprechende Musiker, die Endung –ist tragen müsste, wie es sich auch später durchsetzt.

    Fazit: Es zeigt sich also, dass der Unterschied bei den beiden genannten Suffixen vor allem darin besteht, dass sie ursprünglich unterschiedlichen Sprachen entstammen. Zur Personenbezeichnung bei germanischen / deutschen Wörtern wird vor allem auf das Suffix -er zurückgegriffen, bei romanischen Sprachen hingegen auf –ist.

     

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  3. #3
    Unregistriert Gast

    Standard Orgel und Harfe

    Ausnahmen von dieser Regel scheinen Orgel - Organist (aus dem Griechischen?) und Harfe - Harfenist (aus dem Germanischen) zu sein.

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