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Thema: Heißt es: "Ich habe die Wäsche aufgehängt/ aufgehongen/ aufgehangen" ?

  1. #1
    Unregistriert Gast

    Standard Heißt es: "Ich habe die Wäsche aufgehängt/ aufgehongen/ aufgehangen" ?

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    Diskussion mit Freunden

    Mit folgendem Nachschlagewerk versuchte ich dieser Frage auf den Grund zu gehen:
    /

    Hallo,
    bei uns im Dorf (in Hessen) sagt man "Ich habe die Wäsche aufgehongen". Im Gespräch mit Freunden meinten manche, es heiße "aufgehängt", andere "aufgehangen". Was ist jetzt richtig? Danke!

  2. #2

    Standard Transitive VS intransitive Verben – starke VS schwache Verben

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    In Ihrer Frage möchten Sie wissen, wie das Partizip II von „aufhängen“ lautet (aufgehängt, aufgehangen, aufgehongen).
    Für Ihre Fragestellungen vergleichen Sie auch:
    http://www.grammatikfragen.de/showth...ight=geh%E4ngt

    Sprachsystem


    Die Schwierigkeit liegt in Ihrer Fragestellung darin begründet, dass das Verb „hängen“ homonym ist, d.h. es existieren zwei Verben namens „hängen“, die zwar gleichlautend sind, sich aber sowohl in ihrer Bedeutung als auch in ihrer grammatischen Konstruktion unterscheiden. Eine Variante des Verbs „hängen“ ist ein transitives Verb, das andere ein intransitives. Die Transitivität bzw. Intransitivität bedingt die Flexion des Verbs insofern, ob es stark oder schwach flektiert wird.
    Ob das Partizip II „gehangen“ (stark) oder „gehängt“ (schwach) lautet, hängt also von der Flexion des Verbs (stark oder schwach) ab.

    Um eine vollständige Erklärung der Problemstellung bieten zu können, muss auf die grammatischen Phänomenbereiche der Transitivität sowie der starken und schwachen Verbalflexion zurückgegriffen werden, die im Folgenden eingeführt werden.

    Schwache und starke Verben
    Ob ein Verb stark oder schwach flektiert wird, lässt sich durch den Vergleich der Stammformen – Infinitiv – Präteritum – Partizip II – ermitteln.

    Beispiel

    Infinitiv: fragen
    Präteritum: fragte
    Partizip II: gefragt

    Ändert sich der Stammvokal (bei fragen 'a') wie im Beispiel nicht, spricht man von schwachen Verben. Schwache Verben zeichnen sich außerdem dadurch aus, dass ihr Präteritum mit dem Suffix –te konstruiert wird (frag – te). Ihr drittes Kennzeichen besteht in der Partizip II-Bildung: Das Partizip II von schwachen Verben wird mit dem Suffix -(e)t gebildet.

    Beispiel

    Infinitiv: finden
    Präteritum: fand
    Partizip II: gefunden

    Bei starken Verben ändert sich der Stammvokal (i-a-u). Das Präteritum starker Verben bedarf keines zusätzlichen Suffixes. Das Partizip II wird mit dem Suffix –(e)n gebildet.
    Hier noch einmal eine kleine Übersicht:
    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	starke schwache verben.jpg
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ID:	78

    Transitive und intransitive Verben

    Transitive Verben haben folgende Merkmale:
    (1) Ein Akkusativ-Objekt kann bei Ihnen stehen.

    Beispiel

    Er prüft den Studenten.
    Sie versendet den Brief.
    Sie erwartet einen Freund.
    Er isst einen Apfel.

    (2) Dieses Akkusativ-Objekt wird bei einer Transformation des Satzes ins Passiv zum Subjekt.

    Beispiel

    Der Student wird geprüft.
    Der Brief wird versendet.
    Ein Freund wird erwartet.
    Ein Apfel wird gegessen.


    Intransitive Verben können gegenteilig kein Akkusativobjekt bei sich haben.

    Beispiel

    Er hilft seinem Freund. (Dativ-Objekt)
    Der Patient wacht auf.
    Der Sportler läuft durch den Wald.


    Das transitive Verb „hängen“ wird standardsprachlich schwach (hängen – hängte – gehängt) flektiert, das intransitive stark (hängen – hing – gehangen).

    Beispiel

    (1) Sie hängt das Bild an die Wand.
    Das Bild hängt an der Wand.

    (2) Sie hängte das Bild an die Wand.
    Das Bild hing an der Wand.

    (3) Sie hat das Bild an die Wand gehängt.
    Das Bild hat an der Wand gehangen.

    Der jeweils erste Satz der Beispiele enthält das transitive, schwache Verb „hängen“, wie man an dem fehlenden Vokalwechsel, der Bildung des Präteritums (-te) und am Partizip II (-t) erkennen kann.
    Bei dem jeweils zweiten Satz der Beispiele handelt es sich um das intransitive, starke Verb „hängen“, was der Vokalwechsel und die Bildung des Partizip II (-n) anzeigen.

    In Ihrem Beispiel

    Beispiel

    Ich habe die Wäsche aufgehängt/ aufgehangen/ aufgehongen

    gibt es ein Akkusativobjekt, das im Passiv zum Subjekt werden kann.

    Beispiel

    Die Wäsche wurde aufgehängt/ aufgehangen/ aufgehongen

    Somit handelt es sich bei dem Verb um ein transitives Verb. Da die transitive Variante von „hängen“ schwach flektiert wird, heißt das Partizip II in diesem Fall standardsprachlich und systemgrammatisch „aufgehängt“.

    Beispiel

    Ich habe die Wäsche aufgehängt.


    Der Duden 9 („Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle“) vermerkt, dass vereinzelt auch die starken statt der schwachen Formen beim transitiven Verb „hängen“ verwendet werden (vgl. S. 109). Aus dieser Perspektive heraus wäre Ihr zweiter Vorschlag

    Beispiel

    Ich habe die Wäsche aufgehangen.

    ebenfalls möglich. Angaben zur quantitativen Erfassung der Verwendung finden Sie unter „Sprachgebrauch“.
    Abschließend soll auf Ihren Vorschlag des Partizip II „gehongen“ eingegangen werden.
    „Aufgehongen“ bzw. „gehongen“ ist eine dialektale Eigenheit, die standardsprachlich nicht anerkannt ist. Eine konkrete räumliche Zuordnung ist nicht erfasst. Im folgenden Bereich „Sprachgebrauch“ wird diese dialektale Färbung quantitativ analysiert.
     


    Sprachgebrauch


    In einer Sprachgebrauchsanalyse soll in Bezug auf das Beispiel „Wäsche aufgehängt/ aufgehangen/ aufgehongen“ recherchiert werden, welche Variante im Sprachgebrauch präferiert gebraucht wird. Die unterschiedlichen Formen des Partizips (gehangen = stark und vornehmlich intransitiv; gehängt = schwach und vornehmlich transitiv; gehongen = dialektal) werden in Konkurrenz zueinander quantitativ erfasst. Die bezogenen Informationen sind einerseits aus dem Korpusrecherchesystem des IDS „Cosmas II“ und andererseits von Google entnommen. Abschließend wird ein gesonderter Blick auf die dialektale Form „gehongen“ gerichtet.

    Google Cosmas II
    Wäsche aufgehängt ca. 13.800 Treffer ca. 89 Treffer
    Wäsche aufgehangen ca. 3.410 Treffer 2 Treffer
    Wäsche aufgehongen ca. 66 Treffer 0 Treffer

    Die Trefferzahlen der standardsprachlichen Variante des transitiven und somit (in der Regel) schwachen Verbs „Wäsche aufgehängt“ sind quantitativ am größten und belegen eine Präferenz dieser Variante. Am wenigsten wird die dialektale Form des Partizip II „aufgehongen“ in diesem Kontext verwendet.

    Für das Partizip II des intransitiven Verbs „hängen“ (Wäsche aufgehangen) finden sich bei Cosmas II zwei Treffer in der Rhein-Zeitung:

    Beispiel

    Jedoch gab es eine Zeugin für den Vorfall. Eine Anwohnerin hatte zufällig am offenen Fenster Wäsche aufgehangen und dem Tathergang so gut folgen können. (Rhein-Zeitung, 18.01.2013, S. 18)

    Beispiel

    Sie hatten in der Gesamtwertung am besten Kartoffeln geschält, Wäsche aufgehangen, Getränkekisten geschleppt, mit Schläuchen ins Ziel gespritzt, Holz gesägt und waren einfach brillant Schubkarre gefahren. Ihr Lohn: ein Spießbraten-Essen. (Rhein-Zeitung, 11.09.1998)

    Abschließend wird die dialektale Partizipialform „gehongen“ genauer untersucht. In einer Sprachgebrauchsrecherche bei Google finden sich einige Treffer für diese dialektale Partizipialform, besonders in Online-Foren oder Online-Inseraten. Bei Cosmas II (, das schriftliche Aufzeichnungen von u.a. Zeitungen und Zeitschriften zur Analyse bereitstellt,) wurden fast keine Treffer erzielt. Auch das deutet auf die Dialektalität der Formen, da diese signifikant häufiger in konzeptionell mündlichen Texten gebraucht werden.
     


    Google Cosmas II
    aufgehongen ca. 1.770 Treffer 0 Treffer
    gehongen ca. 5.070 Treffer 1Treffer

    Beispiele
    „[..] also ich hab die wäsche aufgehongen [..]" (Google Beleg, Spielforum)

    „Ich habe die lezten Tage wirklich nicht viel gemacht... nur n bischen WÄsche aufgehongen [..]" (Googe Beleg, Hebammen-Forum)

    „Mein Handy hat sich aufgehongen(Google Beleg; Online-Forum)

    „Hilfe! Mein Navi hat sich aufgehongen(Google Beleg; Online-Forum)

    „Verkaufe hier 3 Regale in der Farbe weiß. Wurden noch nicht aufgehongen. [Saarland]“ (Google-Beleg)

    Wie es in Mecklenburg so hübsch heißt: Bisschen flächer, denn hätt er gehongen! (Cosmas II, Nordkurier, 25.02.2002)

    Fazit
    Wird das Verb „hängen“ transitiv (mit Akkusativobjekt) gebraucht, so wird es standardsprachlich schwach flektiert (hängte- gehängt).

    Beispiel

    Ich hänge die Wäsche auf.
    Ich hängte die Wäsche auf.
    Ich habe die Wäsche aufgehängt.

    Beim intransitiven Gebrauch dagegen wird das Verb stark flektiert (hing – gehangen).

    Beispiel

    Der Räuber hängt am Galgen.
    Der Räuber hing am Galgen.
    Der Räuber hat am Galgen gehangen.

    Bei „(auf)gehongen“ handelt es sich um eine dialektale Eigenheit, die standardsprachlich nicht etabliert ist.
    Der Sprachgebrauch zeigt in Ihrem Beispiel eine eindeutige Präferenz für die standardsprachliche Variante:

    Beispiel

    Ich habe die Wäsche aufgehängt.

  3. #3
    Unregistriert Gast

    Standard Hammer

    Ich lach mich weg!
    Nilüfer 😉

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