Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
Frage meiner kleinen Tochter aus dem alltäglichen Sprachgebrauch
Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
Frage meiner kleinen Tochter aus dem alltäglichen Sprachgebrauch
Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.
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Sprachsystem
Ihre Frage betrifft im Kerne die starke und schwache Flexion/Deklination/Beugung des Adjektivs in der Nominalgruppe. Die von Ihnen genannten Alternativen (Beispiel 1 und 2) sind zwar nicht exakt gleich konstruiert, jedoch scheint es Ihnen ja auf die Flexionsendung des Adjektivs anzukommen, was die beiden Varianten insofern vergleichbar macht.
Beispiel
Beispiel 1:
Er stand inmitten einer Gruppe begeisterter Fußballfans.
Beispiel 2:
Er stand inmitten seiner begeisterten Schwestern.
In Beispiel 1 verlangt die Präposition inmitten, dass die darauf folgende Nominalgruppe (= „einer Gruppe begeisterter Fußballfans") im Genitiv steht. Das heißt, dass die Form dieser Nominalgruppe den Genitiv ausdrücken muss. Man sagt auch, dass die Präposition die Nominalgruppe im Genitiv regiert. In Beispiel 1 kommt hinzu, dass „begeisterter Fußballsfans“ auch deshalb im Genitiv steht, weil diese Nominalgruppe ein Genitivattribut zum Nomen Gruppe ist. In Beispiel 2 steht „seiner begeisterten Schwestern“ im Genitiv, weil diese Nominalgruppe – wie auch in Beispiel 1 – durch die Präposition inmitten im Genitiv regiert wird.
Für Ihre Frage ist letztlich entscheidend, dass sowohl die Nominalgruppe „begeisterter Fußballfans“ als auch die Nominalgruppe „seiner begeisterten Schwestern“ im Genitiv stehen. Ihre Frage war nun, warum unterscheiden sich die Flexionsendungen der Adjektive in Beispiel 1 und Beispiel 2.
Der Kern Ihrer Frage betrifft die starke und schwache Adjektivflexion. Dieses Thema wird unter anderem in den folgenden Antworten vertieft:
http://www.grammatikfragen.de/showth...grammatikfrage
http://www.grammatikfragen.de/showth...e-dreissigsten
Es wurde bereits gesagt, dass die Nominalgruppe im Genitiv stehen muss. Dies betrifft zuerst das Kernnomen – also Fußballfans und Schwestern.
Das Adjektiv ist dann auf einer weiteren Ebene abhängig vom (folgenden) Substantiv: Es besteht Kongruenz. Das heißt, Adjektiv und Nomen stimmen in Kasus, Genus und Numerus überein. Während das Substantiv in seiner Flexion/Deklination/Beugung immer gleichbleibt, ist die Flexion des Adjektivs variabel. Sie ändert sich in Abhängigkeit vom vorausgehenden Artikelwort. Die Abhängigkeit vom Artikelwort beruht auf dem Umstand, dass die Endung, die die grammatischen Kategorie „Kasus“, „Genus“ und „Numerus“ ausdrückt, nur einmal erscheint – beim Artikelwort oder Adjektiv. Es handelt sich um das Prinzip der Monoflexion. Dabei gilt, dass das Adjektiv keine Flexionsendung erhält (schwache Adjektivflexion), die die entsprechenden grammatischen Merkmale ausdrückt, wenn dem Adjektiv ein Artikelwort mit einer entsprechenden Flexionsendung vorangeht (Beispiel 2). Hat das Artikelwort nicht die Flexionsendung für die Kennzeichnung der grammatischen Eigenschaften oder ist kein Artikelwort vorhanden, erhält das Adjektiv die Flexionsendung, die die grammatischen Merkmale des Nomens ausdrückt (Beispiel 1).
Bezogen auf Ihre Beispiele bedeutet das, dass in Beispiel 2 das possessive Artikelwort seiner vorhanden ist. Dieses Artikelwort hat mit der Flexionsendung -er eine, die den Kasus "Genitiv" eindeutig kennzeichnet. Deshalb muss diese Aufgabe vom folgenden Adjektiv begeistert nicht mehr ‚erledigt‘ werden – das Adjektiv wird schwach flektiert. In Beispiel 1 hingegen ist kein Artikelwort vorhanden. Deshalb muss das Adjektiv die Aufgabe, den Kasus der Nominalgruppe durch eine eindeutige Endung auszudrücken, übernehmen. Das Adjektiv wird stark flektiert.
Die folgenden Tabellen (Beispiele 3) zeigen nochmal die starke und schwach Adjektivflexion mit Bezug auf die verschiedenen Kasus und Genus (maskulin, feminin). In Ihrem Beispiel haben nämlich Fußballfan (der) und Schwester (die) unterschiedliche Genera, was jedoch die Vergleichbarkeit hier nicht beeinträchtigt, da beide Nomen im Plural stehen (vgl. Beispiel 3).
Beispiel
Beispiel 3:
Maskulinum:
Singular Stark Singular schwach Plural stark Plural schwach Nominativ (ein)
begeisterter Fußballfan
der
begeisterte
Fußballfan
begeisterte Fußballfans die
begeisterten Fußballfans
Akkusativ begeisterten Fußballfan den
begeisterten
Fußballfan
begeisterte Fußballfans die
begeisterten Fußballfans
Dativ begeistertem
Fußballfan
dem
begeisterten
Fußballfan
begeisterten Fußballfans den
begeisterten
Fußballfans
Genitv begeisterten Fußballsfans des
begeisterten Fußballsfans
begeisterter Fußballfans der
begeisterten
Fußballfans
Femininum:
Singular Stark Singular schwach Plural stark Plural schwach Nominativ (ein)
begeisterte Schwester
die
begeisterte
Schwester
begeisterte Schwestern die
begeisterten Schwestern
Akkusativ begeisterte
Schwester
die
begeisterte
Schwester
begeisterte Schwestern die
begeisterten Schwestern
Dativ begeisterter
Schwester
der
begeisterten
Schwester
begeisterten Schwestern den
begeisterten
Schwestern
Genitv begeisterter
Schwester
der
begeisterten
Schwester
begeisterter
Schwestern
der
begeisterten
Schwestern
Die Tabellen zeigen die unterschiedlichen Flexionsendungen. Die für Ihre Beispiele relevanten Kästchen der Tabelle wurden fett markiert.
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