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Thema: Ist "verfübar" ein Prädikatsadjektiv oder ein Adjektivadverb ?

  1. #1
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    18

    Standard Ist "verfübar" ein Prädikatsadjektiv oder ein Adjektivadverb ?

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    der Satz einer Übung

    Guten Tag,

    In diesem Satz:
    "Diese Tatsache macht den Erwerb gebrauchter Produkte auch zu einer sehr nachhaltigen Form des Umgangs mit bereits verfügbar gemachten Rohstoffen."

    Ist "verfübar" ein Prädikatsadjektiv oder ein Adjektivadverb ?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Denebe.

  2. #2

    Standard formale und funktionale Analyse von "verfügbar"

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    In Ihrer Frage möchten Sie wissen, wie „verfügbar“ in Ihrem Beispielsatz

    Beispiel

    "Diese Tatsache macht den Erwerb gebrauchter Produkte auch zu einer sehr nachhaltigen Form des Umgangs mit bereits verfügbar gemachten Rohstoffen."

    formal (Wortart) und funktional (syntaktisch) klassifiziert werden kann. Hierzu schlagen Sie die Begriffe „Prädikatsadjektiv“ und „Adjektivadverb“ vor.

    Sprachsystem


    Zunächst einmal möchte ich vorwegnehmen, dass die Begriffe „Prädikatsadjektiv“ und „Adjektivadverb“ in etablierten Grammatiken (wie Duden-Grammatik, Helbig-Buschas „Deutsche Grammatik“ oder die Grammatik des Instituts der deutschen Sprache) nicht verwendet werden und daher Ihre Frage, ob Prädikatsadjektiv oder Adjektivadverb, nicht in einer Entweder-oder-Struktur beantwortet werden kann.
    Doch durch Ihre Vorschläge wird sichtbar, welche Elemente die Schwierigkeit der Zuordnung ausmachen: „Verfügbar“ zeigt eine Anlehnung an die Adjektive, da es das klassische Derivativ -bar aufweist und nach Kasus, Numerus und Genus flektiert werden kann, zugleich aber an das Adverb, da es in Ihrem konkreten Fall nicht flektiert wird (sondern das Partizip II „gemachten“). Schließlich gibt es Anzeichen für ein Prädikat, da eine enge Bindung von „verfügbar“ an das Verb „machen“ besteht, das hier im Partizip II realisiert ist.

    Aus der Perspektive der Wortartbestimmung handelt es sich bei „verfügbar“ um ein Adjektiv. Dies ist besonders an der Endung -bar deutlich, welche eine typische Ableitung aus einem Verb anzeigt (verfügen => verfügbar).

    Beispiel

    lesen => lesbar
    ansprechen => ansprechbar
    brauchen => brauchbar

    Wie andere Adjektive kann „verfügbar“ attributiv (I) und prädikativ (II; also als Ergänzung zum Verb, das ohne das Prädikativum nicht die jeweilige Bedeutung ausdrücken kann) gebraucht werden.

    Beispiel

    (I) die verfügbaren Rohstoffe
    (II) Die Rohstoffe sind verfügbar.

    „Verfügbar“ ist also kein Adverb (da es flektiert werden kann) und auch kein Prädikat (da es keine Elemente von verbaler Flexion, wie zum Beispiel Personalendungen, aufweist).

    Nachdem nun die Wortartfrage geklärt ist, soll „verfügbar“ in seinem Satzumfeld syntaktisch analysiert werden.
    „Verfügbar“ ist Bestandteil der Partizipialattributstruktur („gemacht“). Partizipiale Attribute ziehen häufig weitere Attribute mit sich, die wiederum von ihnen abhängig sind.

    Beispiel

    das von mir an den zuständigen Offizier übergebene Beweisstück
    der von mir für meine Familie mit Liebe gebackene Kuchen

    In Ihrem Beispielsatz ist „verfügbar“ innerhalb seiner Präpositionalgruppe Attribut zweiten Grades.

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    Solche Attribute sind i.d.R. nicht flektiert, auch dann nicht, wenn es sich um adjektivische Attribute handelt

    Beispiel

    Der schnell laufende Hund (schnell = Attribut 2. Grades, nicht flektiert)


    Gemäß der traditionellen Grammatikauffassung kann in diesem Kontext nicht mehr gesagt werden, als dass es sich der Wortart nach um ein Adjektiv und konkret im syntaktischen Umfeld um ein Attribut zweiten Grades handelt. Will man die Besonderheit dieses Attributs erklären, die eine eindeutige Zuordnung erschwert, muss man darüber hinaus auf die Entwicklung dieser Konstruktion, also auf die Ebene des „Ausgangssatzes“ dieser Partizipialkonstruktion verweisen.

    Wenn man die Funktion von „verfügbar“ im Satzumfeld genauer betrachtet, fällt auf, dass „verfügbar“ dem Partizip II „gemachten“ erst seine Bedeutung gibt. Der Sinn von „bereitstellen“ entsteht erst aus dem Zusammenspiel vom Adjektiv „verfügbar“ und dem Partizip „gemachten“. Diese enge Bindung lässt sich durch die Auflösung der Partizipialstruktur auf der einfachen Satzebene genauer beleuchten:

    Beispiel

    Jemand macht die Rohstoffe verfügbar.
    Der Frühling macht die Bäume grün.
    Die Angelegenheit macht mich neugierig.
    Ich esse den Teller leer.

    In den Beispielen wird deutlich, dass das Prädikat „macht“ alleine nicht den Sinn herstellen kann, der getroffen werden soll. Die Elemente „verfügbar“, „grün“ „neugierig“ und „leer“ sind in den Beispielsätzen Prädikativa, d.h. sie „füllen“ das Prädikat hinsichtlich seiner Bedeutung aus. Da sie sich hier auf die (Akkusativ-)Objekte (die Rohstoffe, die Bäume, mich, den Teller) beziehen und diese spezifizieren, nennt man sie „Objektsprädikativa“.
    Wird der Satz jedoch passivisch ausgedrückt, sind die Verhältnisse nicht mehr so transparent wie im aktivem Pendant.

    Beispiel

    Die Rohstoffe werden verfügbar gemacht.
    Der Teller wird leer gegessen.

    Hier nimmt „verfügbar“ (bzw. „leer“) Bezug auf das Subjekt (in den Beispielen unterstrichen) und ist dementsprechend ein Subjektsprädikativum.

    In Ihrem konkreten Beispiel bezieht sich „verfügbar“ auf das Partizip II von machen, „gemachten“. Das Partizip II ist passivisch.

    Beispiel

    Lisa macht ihr Bett.
    Das Bett ist gemacht.
    Lisa legt sich in ihr gemachtes Bett.

    Daher lässt sich die Konstruktion mit dem Partizip II sehr gut mit dem „Ausgangssatz“ im Passiv vergleichen. Diese Merkmale vom passivischen Satz („verfügbar“ als Subjektsprädikativum)

    Beispiel

    Die Rohstoffe werden verfügbar gemacht
    Die verfügbar gemachten Rohstoffe

    bleiben bei Übertragung in eine passivische partizipiale Konstruktion (Partizip II) auf Attributebene erhalten und sichtbar.
     

    Fazit:
    Innerhalb der übergeordneten Präpositionalgruppe ist „verfügbar“ Attribut zweiten Grades. Zugleich fungiert es als Prädikativum zur Prädikation durch das Partizip II „gemachten“ und führt dieses näher aus.

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