Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.
Sprachsystem
Bei Ihrer Frage handelt es sich um eine Frage nach der Verwendung von sogenannten Fugenlementen, die als Bindeglieder zwischen den Bestandteilen von Komposita (= Wortzusammensetzungen) fungieren.
Die Komposition mit einem Fugenelement ist im Gegenwartsdeutschen ein produktives Verfahren, wie die folgenden Beispiele aus der Dudengrammatik illustrieren:
Beispiel
Bad-e-tuch
Tag-es-licht
Schönheit-s-ideal
Decke-n-leuchte
Präsident-en-wahl
Kind-er-wagen
Herz-ens-wunsch
Die Fugenelemente sind zwar historisch aus Flexionsendungen hervorgegangen (vgl. bspw. des Tages Licht -> Tageslicht), sie haben heute aber keine Flexionsfunktion mehr (d.h. zeigen weder Kasus noch Numerus an), sondern erleichtern den Übergang zwischen den beiden Kompositionsgliedern. Die oben genannten Beispiele lassen sich mit Fugenelement besser aussprechen als ohne Fugenelement.
Die Komposition mit Fugenlement ist zwar ein produktives Verfahren, die Kompositionsfuge ist deshalb aber nicht obligatorisch (vgl. bspw. Wasserkocher, Haustür, Schnappschuss). Die meisten Komposita bestehen aus zwei Substantiven, eine Zusammensetzung aus einem Substantiv und einem Partizip wie in Ihrem Beispiel ist aber durchaus auch möglich (vgl. bspw. eisenverarbeitend, fleischfressend).
Zwar gibt es prinzipiell Komposita mit und Komposita ohne Fugenelement, man hat aber dennoch keine freie Wahl, da die Wortverbindungen in der jeweiligen Form konventionalisiert werden. Das bedeutet, dass wir Wörter wie Kinderwagen oder Haustür in ihrer jeweiligen Form mit bzw. ohne Fugenelement in unserem Wortschatz speichern und uns also nicht bei jeder Verwendung wieder erneut die Frage stellen müssen, ob wir die Zusammensetzung mit oder ohne Fugenelement verwenden wollen. Bei solchen konventionalisierten, lexikalisierten Komposita können wir uns also nicht frei entscheiden, wir können also nicht etwa von *Kindwagen oder *Häusertür sprechen.
Schwieriger ist die Entscheidung bei seltener gebrauchten Zusammensetzungen wie bei Ihrem Beispiel. Prinzipiell ist das Beispiel mit der Fuge -s bildbar, weil das Fugenelement formal mit der Genitivendung -s von Angebot übereinstimmt und deshalb als Bildungsvariante in Frage kommt.
Sprachgebrauch
Wenn wir nun schauen wollen, ob sich im Sprachgebrauch eine Konventionalisierung abzeichnet, ist die Recherche in für die Linguistik aufbereiteten Korpora (= Textsammlungen) der zuverlässigste Weg. In den einschlägigen Korpora des Instituts für deutsche Sprache Mannheim (COSMAS) und des digitalen Wörterbuchs für deutsche Sprache (DWDS) finden sich aber leider keine Treffer für Ihr Beispiel.
Aber selbst die google-Suche führt uns nur auf Ihre Frage in diesem Forum. Wenn wir dagegen die substantivische Form Angebotnutzer vs. Angebotsnutzer bei google suchen, zeichnet sich eine klare Tendenz ab: Für Angebotnutzer erhalten wir 256 Treffer, für Angebotsnutzer 40.900.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Zusammensetzung prinzipiell mit Fugenelement bildbar ist und dass der Vergleich mit der substantivischen Variante Angebotsnutzer eine solche Verwendung nahelegt.
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