+ Antworten
Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Kasus nach "als"

  1. #1
    Unregistriert Gast

    Standard Kasus nach "als"

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    Lektüre eines Wikipedia-Artikels

    Guten Abend,

    ich würde gerne fragen, ob folgender Satz grammatikalisch korrekt wäre:

    "Der Krieg endete mit einem Sieg Ostpakistans und dessen Anerkennung als unabhängigen Staats Bangladesch."

    Es geht mir hierbei um den Konjunktor "als", dessen Ergänzung grundsätzlich in KNG-Kongruenz zum Bezugswort zu stehen hat; entsprechend müsste "unabhängigen Staats" wie vorliegend der Fall im Genitiv stehen, da es sich auf "dessen" bezieht. Allerdings würde ich hier intuitiv die dativische Formulierung "[...] und dessen Anerkennung als unabhängigem Staat Bangladesch" präferieren.

  2. #2

    Standard Adjunktorgruppen und ihr Bezugswort

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    Sie möchten in Ihrer Frage wissen, ob Sie in Ihrem Beispielsatz

    "Der Krieg endete mit einem Sieg Ostpakistans und dessen Anerkennung als unabhängigen Staats Bangladesch."

    die an das „als“ angeschlossene Nominalgruppe im Genitiv realisieren müssen oder im Dativ ausdrücken können. Es geht also darum, wie die an als angeschlossene Wortgruppe seiner syntaktischen Umgebung entsprechend flektiert werden muss.
    Um die Frage beantworten zu können, muss man sich zunächst vergegenwärtigen, welches grammatische Phänomen in den Wortgruppen mit „als“ auftritt: die Adjunktion.

    Sprachsystem


    Allgemein kann man als als Junktor bezeichnen, da es eine verknüpfende Funktion hat. Die speziellen Eigenschaften von als liegen darin, dass als die grammatischen Merkmale der folgenden Gruppe festlegt (Kongruenz mit dem Bezugswort), ohne einen bestimmten Kasus zu fordern (wie es Präpositionen tun), und gleichrangige Elemente verknüpft. Junktoren mit diesen speziellen Eigenschaften werden in einigen Grammatiken (z.B. Grammatik des Instituts für Deutsche Sprache, kurz IDS-Grammatik) als Adjunktoren bezeichnet.

    Adjunktoren können zum Ausdruck eines Vergleichs oder zur Identifizierung (Zuordnung) verwendet werden. Insgesamt haben Adjunktoren einen zuweisenden Charakter.

    Beispiel: Ich sehe ihn als einen guten Freund.


    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	GF1.jpg
Hits:	70
Größe:	17,3 KB
ID:	86

    Beispiel: Mit Professor Meier als einem Experten für moderne Musik kann man gut über Wagner diskutieren.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	gf2.jpg
Hits:	73
Größe:	30,5 KB
ID:	87

    Bezogen auf Ihr Beispiel sind drei Optionen möglich:

    1) Wenn Sie die Adjunktorgruppe im Genitiv (als unabhängigen Staates) vorschlagen, interpretieren Sie den Satz so, dass sich die Adjunktorgruppe auf das Genitivattribut bezieht.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	gf3x.png
Hits:	65
Größe:	35,0 KB
ID:	88

    2) Es ist grammatisch auch möglich, die Adjunktorgruppe auf das Substantiv „Anerkennung“ zu beziehen. Der Kasus von „Anerkennung“ wird durch die Präposition „mit“ festgelegt, es handelt sich um einen Dativ. Wenn man „Anerkennung“ als Bezugswort für die Adjunktorgruppe interpretiert, müsste die kongruente Flexion im Dativ erfolgen (als unabhängigem Staat).

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	gf4.png
Hits:	93
Größe:	40,7 KB
ID:	89

    Hierbei ist jedoch hochproblematisch, dass der Bezug in dieser Interpretation inhaltlich keinen Sinn ergibt: Mit der Adjunktorgruppe wird eine Gleichsetzung vorgenommen. Jedoch wird nicht das Substantiv „Anerkennung“ mit dem unabhängigen Staat Bangladesch gleichgesetzt, sondern in jedem Fall Ostpakistan.

    3) Eine sichere Lösung in dieser komplexen syntaktischen Struktur wäre, statt der kongruenten Genitiv-/Dativ-Form den Nominativ für die Adjunktorgruppe (als unabhängiger Staat) zu wählen:

    "Der Krieg endete mit einem Sieg Ostpakistans und dessen Anerkennung als unabhängiger Staat Bangladesch."

    Auf den Nominativ wird häufig bei Appositionen ausgewichen, wenn die Bezüge eindeutig sind und daher eine Kasuskongruenz für die Herstellung der Zusammenhänge nicht unbedingt notwendig ist. In manchen Fällen ist der Nominativ sogar der Normalfall:
    z.B. bei Bezug auf einen possessiven Genitiv:

    Beispiel

    Die Würdigung des Schülers als eigentlicher Klassenbester
    z.B. bei lockeren Appositionen mit artikellosen Eigennamen:

    Beispiel

    Die Würdigung des Schülers, Max Mustermann

    In diesem Fall fungiert die Adjunktorgruppe wie ein Prädikativ:

    Beispiel

    Die Würdigung dieses Schülers als eigentlicher Klassenbester
    (Dieser Schüler ist der eigentliche Klassenbeste.)

    Beispiel

    Die Würdigung des Schülers, Max Mustermann
    (Max Mustermann ist der Schüler.)

    Beispiel

    Der Krieg endete mit einem Sieg Ostpakistans und dessen Anerkennung als unabhängiger Staat Bangladesch.
    (Der Staat Bangladesch ist unabhängig bzw. Ostpakistan ist der unabhängige Staat Bangladesch (geworden))

    Für den Nominativ spricht auch, dass Ihr Beispielsatz auch ohne kongruente Flexion verständlich bleibt. Es entstehen also auch mit Nominativ keine Missverständnisse.
     


    Fazit

    Für die Verwendung des Genitivs "als unabhängigen Staates Bangladesch" bzw. des Dativs "als unabhängigem Staat Bangladesch" spricht die Perspektive der Kongruenz bei Adjunktorgruppen, sofern das Genitivattribut „dessen“ bzw. das Substantiv „Anerkennung“ als Bezugswort interpretiert wird. Dabei stellt als eine Beziehung zwischen zwei Satzteilen her, die über Kasuskongruenz gekennzeichnet ist. Für die Verwendung des Nominativs "als unabhängiger Staat Bangladesch" spricht hingegen die Betrachtung der Adjunktorgruppe wie ein Prädikativ. Auch ohne Genitiv/Dativ ist der Bezug in Ihrem Beispiel eindeutig. Aufgrund der Problematiken, die sich in den kongruenten Varianten ergeben, kann keine absolute Auflösung erfolgen. Es ist daher Ihnen überlassen, welcher Argumentation Sie folgen möchten und für welchen Kasus Sie sich entscheiden.


    Umfrage zum Umgang mit dieser Antwort

    War diese Antwort hilfreich für Sie? Wie gehen Sie damit um?
    Helfen Sie unserem Forschungsteam von der Universität Gießen dabei herauszufinden, wie eine solche Grammatik benutzt wird, welche Erläuterungen interessant sind und wie Sie damit umgehen. Durch die Beantwortung unseres Fragebogens tragen Sie dazu bei, die Qualität unserer Antworten und die Qualität von Grammatiken zu verbessern!

    Umfrage öffnen


  3. #3
    Unregistriert Gast

    Standard Kasus ohne "den" nach "als"

    Fundstelle Wikipedia-Artikel "Hachetal und Freidorfer Hachetal". Zitat: "In den Talräumen der Hache und der Nebenbäche stocken überwiegend feuchte bis nasse Aue- und Bruchwälder mit Esche und Erle als dominierende Baumarten." Wenn man den Satz mit "den" formuliert ("als den dominierenden Baumarten"), ist eindeutig, welcher Kasus hier anzuwenden ist. Wenn man aber auf "den" verzichtet, muss es dann "dominierende Baumarten" (wie im Zitat) oder "dominierenden Baumarten" heißen?

+ Antworten

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 27.04.2015, 13:09
  2. Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 27.06.2013, 07:06
  3. Was ist gemeint mit "abstrakter" Kasus?
    Von Michelvilvoorde im Forum Fragen zur Grammatik
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 09.11.2012, 12:12
  4. Welcher Kasus folgt auf "größer gleich"?
    Von Unregistriert im Forum Fragen zur Grammatik
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 16.08.2012, 18:03
  5. Kasus nach eingebunden in (Dativ oder Akkusativ?)
    Von Kerstin im Forum Fragen zur Grammatik
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 02.02.2012, 12:08

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein