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Thema: "...um eineM gespannten und besorgten Ausdruck Platz zu machen...". Muss es der Dativ sein?

  1. #1

    Standard "...um eineM gespannten und besorgten Ausdruck Platz zu machen...". Muss es der Dativ sein?

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    Lesen der Buddenbrooks - falsches Zitat mit Akkusativ

    Ich denke, es muss "um eineM gespannten und besorgten Ausdruck Platz zu machen". Möglicherweise habe ich hier ein Zitat gefunden, das nicht richtig abgeschrieben wurde. Aber woran liegt es, dass es der Dativ sein muss?

    „Der jüngere Hausherr hatte, als der allgemeine Aufbruch begann, mit der Hand nach der linken Brustseite gegriffen, wo ein Papier knisterte, das gesellschaftliche Lächeln war plötzlich von seinem Gesicht verschwunden, >>>> um einen gespannten und besorgten Ausdruck Platz zu machen <<<< , und an seinen Schläfen spielten, als ob er die Zähne aufeinander bisse, ein paar Muskeln“ (Mann, Thomas 2010: Die Buddenbrooks, 59. Auflage. Frankfurt am Main: Fisher Taschenbuch, Seite 18).

  2. #2

    Standard Kasus nach lexikalisiertem Verb "Platz machen"

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    Sprachsystem

    In Ihrem Beispiel „um einem/ einen gespannten und besorgten Ausdruck Platz zu machen“ thematisieren Sie, welchen Kasus die Nominalgruppe „einen/ einem gespannten und besorgten Ausdruck“ besitzen muss. Zunächst soll die Struktur ihres Beispiels näher erläutert werden. Es handelt sich hier um einen Nebensatz, welcher mit der Subjunktion „um“ eingeleitet ist. Der Nebensatz lässt sich darüber hinaus durch den zu-Infinitiv als eine Infinitivphrase klassifizieren (um Platz zu machen). Die lexikalisierte Form „Platz machen“ fordert laut dem Duden-Universalwörterbuch einen Dativ:
    jemandem Platz machen
    Nun haben Sie zwei Varianten angegeben:
    1. […] das gesellschaftliche Lächeln war plötzlich von seinem Gesicht verschwunden, um einem gespannten und besorgten Ausdruck Platz zu machen.
    2. […] das gesellschaftliche Lächeln war plötzlich von seinem Gesicht verschwunden, um einen gespannten und besorgten Ausdruck Platz zu machen.
    Im ersten Beispiel steht die Wortgruppe nach „um“ im Dativ und im zweiten Beispiel im Akkusativ. Der Dativ ist durch das lexikalisierte Verb „Platz machen“ zu erklären.
    Da die Entstehung des Beispielsatzes einige Zeit zurückliegt, wäre es auch denkbar, dass um 1900 das lexikalisierte Verb „Platz machen“ möglicherweise den Akkusativ regiert und nicht den Dativ. Demnach hätte durch den Sprachwandel eine Veränderung stattgefunden, welchen Kasus das Verb „Platz machen“ fordert.
     


    Sprachgebrauch

    In eine Recherche im deutschen Textarchiv wurde die Verwendung von „Platz machen“ von 1900 bis 1950 untersucht. Insgesamt ergab die Suche 97 Treffer. Hiervon entsprechen 81 Treffer dem gesuchten lexikalisierten Verb. Auffällig ist, dass alle Belege ein Dativobjekt aufzeigen:
    Das alte self-government ruhte auf der persönlichen Staatsthätigkeit der letzteren, die jetzt immer mehr direkten Staatsorganen Platz macht. (Simmel, Georg: Philosophie des Geldes. Leipzig, 1900)

    Noch erinnerten wohl gelegentliche Jähzornausbrüche an die rauheren Stürme der Jugend, um alsbald wieder der milderen Ausgeglichenheit und Konfliktscheu des bedächtigen und umsichtigen Alters Platz zu machen. (Hampe, Karl: Deutsche Kaisergeschichte in der Zeit der Salier und Staufer. Leipzig, 1909.)
    Demnach wäre es denkbar, dass es sich bei Ihrer Ausgabe um einen Tippfehler handelt. Dafür würde ebenfalls sprechen, dass in der Ausgabe des Fischer Verlags von 2005 der Dativ an der besagten Stelle verwendet wurde.
     


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