+ Antworten
Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Warum kann man nicht sagen: "Kann es sein, ob..."

  1. #1
    Registriert seit
    18.05.2019
    Beiträge
    1

    Standard Warum kann man nicht sagen: "Kann es sein, ob..."

    Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
    In einer Aufgabe in einem Deutschbuch (A2)

    Indirekte Entscheidungsfragen werden in der Regel mit "ob" gebildet:
    Beispiel:
    Regnet es morgen?
    1.) Weißt du, ob es morgen regnet? oder Kannst du mir sagen, ob es morgen regnet?
    aber
    2.)Kann es sein, dass es morgen regnet?
    2. ist auch eine indirekte Entscheidungsfrage, wird aber nicht mit "ob" sondern "dass" gebildet.
    Ist "Kann es sein, dass..." eine feste Redewendung oder gibt es eine andere Erklärung?

  2. #2

    Standard Kann es sein, dass...

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    Sprachsystem

    Sie möchten durch Ihren Beitrag in Erfahrung bringen, wieso man, konkret an Ihrem Beispiel festgemacht, nicht Kann es sein, ob… fragen kann. Hierzu schauen wir uns zunächst die Subjunktionen ob und dass an, gehen anschließend zu Subjekt- und Objektsätzen über und werfen zum Schluss einen Blick auf das Modalverb können und den Modalausdruck möglich.

    Im Allgemeinen haben Subjunktionen die Funktion, Nebensätze oder Infinitivgruppen syntaktisch einem übergeordneten Satz unterzuordnen. Typisch für Nebensätze ist die Verbletztstellung, die automatisch eintritt, sobald der Satz untergeordnet wird:
    (1) Anna und Tom gehen ins Schwimmbad. Es ist sehr heiß. (Verbzweitstellung)

    (2) Anna und Tom gehen ins Schwimmbad, [weil] es sehr heiß ist. (Verbletztstellung)
    Auch die Wörter dass und ob gehören in die Gruppe der Subjunktionen. Sie können zur Bildung von Subjekt-, Objekt- und Attributsätzen dienen (wie wir später noch besprechen werden). Die beiden Subjunktionen unterscheiden sich jedoch darin, nach welchen Ausdrücken sie gebraucht werden. Dass steht nach Ausdrücken der Sicherheit, während ob nach Ausdrücken der Unsicherheit, der Frage und des Zweifels verwendet wird (nachzulesen in der Dudengrammatik unter Randnummer 942).
    (3) Frau Müller weiß, dass sie ihren Job gut erledigt. (weiß = Ausdruck der Sicherheit)

    (4) Frau Müller fragt sich, ob sie ihren Job gut erledigt. (fragt sich = Ausdruck der Unsicherheit, des Zweifels)

    (5) Weißt du, ob Frau Müller ihren Job gut erledigt?

    (5’) Weißt du, dass Frau Müller ihren Job gut erledigt?
    Die Beispielvarianten (5) und (5’) sollen den Bedeutungsunterschied noch einmal in Hinblick auf das Wissensgefälle aufzeigen: In (5) ist sich der Fragende unsicher, ob Frau Müller ihren Job gut erledigt. Über die Frage möchte er sich selbst Informationen einholen und erhofft sich, diese von seinem Gegenüber zu erhalten. Im Unterschied dazu weiß der Fragende in (5’) sicher, dass Frau Müller dies tut. Die Frage dient daher primär dazu, sein Gegenüber zu informieren bzw. sich selbst über das Wissen seines Gegenübers zu informieren. Sie können diese Bedeutungsunterscheidung auch auf Ihr Beispiel übertragen:
    (6) Weißt du, ob es morgen regnet? (Regnet es morgen? = Interesse am Sachverhalt)

    (6’) Weißt du, dass es morgen regnet? (Weißt du [das]? = Interesse am Wissen des Gegenübers)
    Für das allgemeine Verständnis des Satzes beleuchten wir nun die funktionale Perspektive. Hierbei halten wir uns jedoch kurz, um nicht von Ihrer Frage abzukommen:

    Wie bereits ankündigt, können die Subjunktionen dass und ob Subjekt-, Objekt- und Attributsätze einleiten. Anhand Ihres Beispiels: Das Verb wissen fordert eine Person, die etwas weiß, und einen zu wissenden Gegenstand. Beispiel (7) soll nun zeigen, dass auch Sätze die Funktion von Satzgliedern übernehmen können.
    (7) Du [Subjekt] weißt [Prädikat] alles [Akkusativobjekt].

    (7‘) Du [Subjekt] weißt [Prädikat], dass die Erde rund ist [Akkusativobjekt].

    * Du weißt. [Was weißt du?]
    Nun zu Ihrer eigentlichen Frage:
    (8) Kann es sein, dass es morgen regnet?

    * Kann es sein, ob es morgen regnet?
    Bei kann handelt es sich um ein Modalverb mit dem Merkmal Möglichkeit. Eine alternative Formulierung mit Modalausdruck (möglich) lautet:
    (8’) Ist es möglich, dass es morgen regnet?
    Möglich sein bedeutet zunächst, dass der Sachverhalt (dass es regnen wird) relativ zu dem, was der Sprecher weiß, nicht ausgeschlossen ist. Darüber hinaus enthalten Fragen wie diese (Kann es sein…?) die implizite Annahme, dass es bspw. in Bezug auf (8) regnen wird. Sie dienen demnach eher der Vergewisserung, ob diese Annahme richtig ist. Auch bei der folgenden Frage hat sich der Sprecher (im Kontext eines Gesprächs) bereits darauf festgelegt, dass der Hörer sehr wahrscheinlich etwas verloren hat:
    (9) Entschuldigung, kann es sein, dass Sie etwas verloren haben?
    An dieser Stelle kann man auch die Verwendungsweise von dass im Zusammenhang mit Ausdrücken der Sicherheit anführen, denn die vom Sprecher erwartete Antwort sollte positiv ausfallen.
    (10) Kannst du mir sagen, ob es morgen regnet?
    In dieser Frage bildet eine Form von können gemeinsam mit sagen das Prädikat. Hier fällt die Antwort variabler aus, da der Sprecher sich nicht sicher sein kann, ob der Hörer (im Falle eines Gesprächs) genauere Angaben dazu machen kann. Zu einer Modalaussage (Aussage mit Modalausdruck) umformuliert, hieße die Frage:
    (10’) Ist es möglich, dass du mir sagen kannst, ob es morgen regnet?
    Können und damit einhergehend das Merkmal Möglichkeit nehmen in dieser Frage ausschließlich Bezug auf das Verb sagen. Auch in diesem Fall besteht die implizite Vorannahme, der Hörer könne dem Sprecher mitteilen, ob es morgen regnet (der Sprecher ist sich diesbezüglich relativ sicher und hegt wenig Zweifel daran). Deswegen folgt in der Reformulierung nach dem Modalausdruck möglich ebenfalls ein mit dass eingeleiteter Nebensatz.

    Nun ein letztes Beispiel:
    (11) Es kann doch nicht sein, dass es morgen regnet!

    (11’) Es ist unmöglich, dass es morgen regnet!
    Eventuell werden durch die Verneinung des Satzes die impliziten Annahmen über den Sachverhalt (dass es regnet) noch einmal deutlicher. Kontextualisiert man diesen Satz, so ist sich der Sprecher ziemlich sicher, dass es morgen nicht regnen wird. Zu einer Frage umformuliert:
    (12) Kann es nicht sein, dass es morgen regnet?

    (12’) Ist es unmöglich, dass es morgen regnet?
    Hier vergewissert sich der Sprecher im Kontext einer Unterhaltung, ob es wirklich ausgeschlossen ist, dass es morgen regnet. Das bedeutet, er hat bereits die implizite Annahme, dass es vielleicht regnen könnte.

    Fazit: Die Frage (Kann es sein, ob es morgen regnet) ist aufgrund der impliziten Vorannahme, die der Sprecher bereits getroffen hat (dass es morgen regnet), nicht möglich. In diesem Fall muss notwendigerweise die Subjunktion dass gewählt werden, da der Sprecher sich zu dem Zeitpunkt, zu dem er die Frage stellt, schon relativ sicher ist, dass es regnen wird, sich durch die Frage jedoch bei seinem Gegenüber diesbezüglich vergewissern möchte.
     


    Umfrage zum Umgang mit dieser Antwort

    War diese Antwort hilfreich für Sie? Wie gehen Sie damit um?
    Helfen Sie unserem Forschungsteam von der Universität Gießen dabei herauszufinden, wie eine solche Grammatik benutzt wird, welche Erläuterungen interessant sind und wie Sie damit umgehen. Durch die Beantwortung unseres Fragebogens tragen Sie dazu bei, die Qualität unserer Antworten und die Qualität von Grammatiken zu verbessern!

    Umfrage öffnen


  3. #3

    Standard Modalverben

    "Warum kann man nicht sagen: "Kann es sein, ob..." "

    Das "KANN" man immer sagen, man DARF es aber nicht, weil es grammatisch falsch ist.

+ Antworten

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein