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Thema: Unterschied zwischen "wegen" und "aufgrund"

  1. #1
    Unregistriert Gast

    Standard Unterschied zwischen "wegen" und "aufgrund"

    Hallo!

    Sind "aufgrund" und "wegen" wirklich Synonyme? (Laut Duden und anderen Wörterbüchern, ja). Mein Sprachgefühl sagt mir aber, dass im folgenden Satz "aufgrund" passt und "wegen" irgendwie falsch klingt:
    "Aufgrund/wegen der genauen Beschreibung des Täters konnte die Polizei einen schnellen Fahndungserfolg melden."
    Ich habe im Internet vergebens nach einer Erklärung gesucht. Kann mir bitte jemand weiterhelfen?

    Vielen Dank im Voraus!

  2. #2

    Standard Verwendungsweise der Präpositionen "wegen" und "aufgrund"

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    Sprachsystem

    Ihre Frage bezieht sich auf die Verwendungsweise der Präpositionen wegen und aufgrund. Schauen wir uns also zunächst einmal an, was diese Wortart ausmacht:

    Präpositionen stehen meist vor dem Nomen, auf das sie sich beziehen, also vor ihrem Bezugswort. Zwischen Bezugswort und Präposition besteht einerseits ein semantisches Verhältnis, andererseits aber auch ein grammatisches Verhältnis, denn die Präposition legt den Kasus (bei aufgrund und wegen: Genitiv) ihres Bezugswortes fest (= Rektion). Zudem verkürzt die Verwendung einer Präposition den Satz, indem die Informationsdichte erhöht wird. Das kann gleichzeitig aber auch dazu führen, dass andere Informationen verloren gehen. Die folgenden Varianten von (1) heben den Bedeutungsverlust hervor: Erstens, das temporale Verhältnis, das in (1) durch das Verb angezeigt wird, kann nach der Umformung nicht mehr wiedergegeben werden. Zweitens, die nominale Umformung kann wie (1’’) in Abgrenzung zu (1’) zu interpretativ oder eher umständlich ausfallen. Dem zugrunde liegt der Gedanke, dass man die Präpositionen zusammen mit ihrem Bezugswort zu einem Nebensatz umformen kann.
    (1) Anna geht es schlecht, [weil sie verdorbenes Essen zu sich genommen hat].

    (1̓) Anna geht es [aufgrund der Nahrungszufuhr des verdorbenen Essens] schlecht.

    (1’’) Anna geht es [aufgrund einer Lebensmittelvergiftung] schlecht.
    Nun zu Ihrem Beispiel:
    (2) [Wegen der genauen Beschreibung des Täters] konnte die Polizei einen schnellen Fahndungserfolg melden.

    (2’) [Aufgrund der genauen Beschreibung des Täters] konnte die Polizei einen schnellen Fahndungserfolg melden.
    Der Dudenband für sprachliche Zweifelsfälle unterscheidet in Hinblick auf die Verwendungsweise von wegen und aufgrund wie folgt:

    Wegen (+ Bezugswort) bezeichnet den Sachgrund ganz allgemein. Daher bietet sich die Umformulierung zu einem kausalen (= der Grund wird angegeben) weil-Satz an:
    (3) [Wegen der Freude am Schwimmen] gehe ich gerne ins Freibad.

    (3’) Ich gehe gerne ins Freibad, [weil es mir Spaß macht].
    Demgegenüber markiert aufgrund (+ Bezugswort) die Grundlage für das Eintreten eines Sachverhalts. Ist diese Grundlage nicht gegeben, so würde der Sachverhalt nicht eintreten. Eine Reformulierung mit aufgrund der Tatsache, dass… soll diesen Aspekt hervorheben:
    (2’’) [Aufgrund der Tatsache, dass der Täter genau beschrieben wurde] konnte die Polizei einen schnellen Fahndungserfolg melden.
    Wandelt man die Präpositionalgruppe aufgrund der genauen Beschreibung des Täters zu einem Nebensatz um, würde man an dieser Stelle eher auf einen konsekutiven als auf einen kausalen Nebensatz zurückgreifen:
    (2’’’) Der Täter wurde genau beschrieben, [sodass die Polizei einen Fahndungserfolg melden konnte].
    Der Konsekutivsatz legt den Fokus auf die Folge, die eben diese genaue Täterbeschreibung veranlasst (also den Fahndungserfolg). Alternativ könnte man das auch mit einem Adverb (folglich) aufzeigen:
    (2’’’’) Der Täter wurde genau beschrieben. [Folglich] konnte die Polizei einen Fahndungserfolg melden.
    Der Grund, weswegen die Formulierung aufgrund der Beschreibung des Täters angemessener klingt, liegt somit darin, dass die Täterbeschreibung die Grundlage für den Fahndungserfolg (und nicht bloß einen willkürlichen Sachgrund) darstellt. Ohne eine genaue Täterbeschreibung wäre die Polizei in keinem Fall zu dem Fahndungserfolg gekommen, denn die Beschreibung zieht als Folge den Fahndungserfolg nach sich.
     


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